Zwischen Nutzung und Stadtkritik

Der Eingang zum Gelände war für Besucher oft schwer zu finden.
Foto: /Sudden Workshop CREAU

Dort wo früher Trabrennbahnen und Pferdestallungen waren, befindet sich heute das Zwischennutzungsprojekt „CREAU“. Egal ob für Feste, Präsentationen oder Weihnachtsmärkte, das Gelände ist multifunktional – genau wie seine vier neuen Installationen.

13.09.2017, 06:00

„Wonderwall“, „Am Holzweg“, „Igelnest“ und „Multifly“ – diese außergewöhnlichen Namen tragen die großen Holzskulpturen der „Creative Au“ (kurz: „CREAU“). Errichtet wurden sie von 25 Studenten der Technischen Universität Wien, die in Kooperation mit dem Architektur- und Designbüro mostlikely jedem Projekt seinen eigenen Nutzenverliehen haben. Im Rahmen des „Sudden Workshop“ können Besucher bei diversen Veranstaltungen die Holzstrukturen verwenden und bewundern.

Die Anfänge

Creau in der Krieau Foto: KURIER/Flora Mayrhofer Die Installation „Wonderwall“ ist auf viele Arten nutzbar. Die erste Aufgabe bei diesem Projekt war es, „einen nach außen sichtbaren Eingang zu gestalten“, erklärt Studentin Kristina Grausam. Sie hat zusammen mit 24 anderen Kollegen  und ihrem Professor Thomas Gamsjäger einen Monat lang an der Planung der Installationen gearbeitet. Selber war sie am Projekt „Wonderwall“ beteiligt, dem man gleich am Anfang des „CREAU“-Gelände begegnet. Die begehbare Wand stellt den Eingang des Geländes dar und wird bei Veranstaltungen und Festen als Kassabereich benutzt. Außerdem verfügt die Konstruktion über eine Plakatwand und diverse Sitzmöglichkeiten um sich vor dem nach Hause gehen noch einmal kurz auszuruhen. Am Hauptplatz des Geländes findet sich vor einer der ehemaligen Stallungen das zweite Projekt – die Outdoor-Werkstätte „Am Holzweg“. Gestaltet wurde sie von sechs Studenten, die die Installation für handwerkliche Zwecke konzipiert haben. Bei der Eröffnung des Workshops konnten Besucher hier ihre eigenen Hocker bauen. Mittlerweile wird der „Holzweg“ auch als Essplatz genutzt und ist sogar mit einem Sonnenschutz ausgestattet. In Zukunft sollen auch Steckdosen eingerichtet werden, um an der frischen Luft arbeiten zu können.

Die Fortschritte

Das dritte Projekt des Workshops trägt den Namen „Igelnest“ und ist von allen Skulpturen die größte. Mit über acht Metern ragt sie als Aussichtspunkt in der Mitte des Geländes auf. Aufgrund der Höhe wird das Holzkonstrukt bei Veranstaltungen als DJ-Turm verwendet – zwei Flächen wurden dafür eingeplant. Zuletzt kommt das mobilste der Projekte – „Multifly“. In blau und rot gehalten können die hölzernen Liegestühle multifunktional verwendet und aufgebaut werden. Reiht man sie aneinander, so ergeben sie einen achteckigen Sitzkreis. Die Lehnen der Bänke sind ebenfalls individuell verstellbar. Falls für manche Veranstaltungen eine Bar oder Tische gebraucht werden, kann man die zehn Liegen auf beliebige Höhe aufeinanderstapeln.

Creau in der Krieau Foto: KURIER/Flora Mayrhofer Die Liegen des Projekts „Multifly“ können unterschiedlich angepasst werden. Neben den  Installationen zeichnet das Gelände der „CREAU“ eine weitere Besonderheit aus: es ist eines von Wiens vielzähligen Zwischennutzungsgebieten.  Die Fläche wird von  Nest, einer Agentur für Leestandmanagement, verwaltet. Eine eigens gegründete Genossenschaft organisiert momentan beinahe täglich kleinere Veranstaltungen wie Yoga oder Kochen, aber auch größere Feste und Märkte. Der Grund für den wachsenden Trend der Zwischennutzung ist simpel: Wohnen in Wien ist in den vergangenen Jahren stetig teurer geworden. „Je zentraler die Lage, desto unleistbarer“, sagt Architekt Mark Neuner von mostlikely. Zusammen mit seinen Kollegen hat er bereits mehrere Zwischennutzungsprojekte betreut. „ Es ist vor allem auch eine Kritik an der Stadt Wien“, ergänzt Neuner.  Der große Vorteil ist eine deutlich  günstigere Miete. Für das leerstehende Gebäude müssen üblicherweise  nur Betriebskosten bezahlt werden – die Mietkosten kann man ansetzen, wo man will. „Das können auch ein nur paar Euro pro Quadratmeter sein.“

Erfolg mit Ablaufdatum

Creau in der Krieau Foto: KURIER/Flora Mayrhofer Hier soll Aussichtsspitze und DJ-Turm zugleich entstehen. Nachteile gibt es jedoch auch. Anders als Wohnbauten haben die Flächen der Zwischennutzung ein Ablaufdatum. So wird auch jene der „CREAU“ mit 2018 dem Erdboden gleich gemacht, um für neue Gebäude Platz zu schaffen. Die Zwischennutzung ist, wie der Name sagt, ein Lückenfüller für noch nicht bebauten Grund. Laut Neuner bieten Projekte wie das in der Krieau eine gute Imageaufwertung für die Investoren, denen das Areal gehört. Die Zwischennutzer müssen sich jedoch bewusst sein, dass sie schließlich Neubauprojekten weichen müssen. „Genau deswegen wollen wir solche Initiativen vorantreiben, um der Stadt den kommerziellen Nutzen zu entziehen“, betont der Architekt. Auch für die kreative Industrie sei dies wichtig. Für viele Veranstaltungsorte in Wien liegen  die Preise im fünfstelligen Bereich. Deshalb bemüht sich die „CREAU“ so viele Events wie möglich zu organisieren. Auch Privatpersonen können sich anmelden und eigene Feiern planen – jedoch nur bis September 2018. Wer also die Holzkunstwerke betrachten oder einfach seinen Geburtstag feiern will, sollte das dieses Jahr noch in die Tat umsetzen, denn die Dauer des  Projekts ist zeitlich befristet. 

Ein Gewinn für beide Seiten

 Viele bezeichnen die Bewegung als Win-Win Situation. Zwischennutzung ist nicht nur für Eigentümer eine  gute Option. Denn Zwischennutzung hilft sowohl den Platz-Suchenden als auch den Platz-Bietenden. Stehen Flächen leer, laufen sie Gefahr zu verwahrlosen und das Stadtbild abzuwerten. Wenn sie aber  für eine andere Nutzung zur Verfügung gestellt werden,  kann das Image aufgewertet werden. Zugleich reduziren sie die Leerstandskosten für den Eigentümer. Mit dem Mieter  wird ein Vertrag über eine unentgeltliche Nutzung abgeschlossen, eine sogenannte Bittleihe, die von beiden Seiten jederzeit kündbar ist. Damit  das Areal für eine gewisse Zeit– sei es zum Wohnen, Arbeiten oder für Veranstaltungen  – genutzt werden kann, müssen die Mieter meist  nur die anfallenden Betriebskosten bezahlen.

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