Umweltbewusst und sozial? Österreichs Firmen sind säumig

Der Klimwandel bedroht auch die Wirtschaftlichkeit vieler Unternehmen.
Foto: KURIER/Susanne Mauthner-Weber

Stellen sich Betriebe ökologisch auf, bringt das laut Experten langfristig höhere Erträge.

19.06.2017, 06:00

Große Finanzinvestoren haben das Thema schon erkannt: Sie meiden Aktien von Öl- oder Kohleunternehmen ebenso wie Investments in Waffen-Konzerne oder Unternehmen, die die Mitarbeiter schlecht behandeln oder ihre Produkte mit Kinderarbeit herstellen. Sie machen dies nicht aus rein philanthropischen Gedanken, sondern durchaus eigennützig. Denn längerfristig betrachtet, werden "nachhaltige Investments" höhere Renditen bringen.

Bei Österreichs Unternehmen sind diese Gedanken noch kaum angekommen. "Es gibt 300.000 Klein- und Mittelbetriebe in Österreich. Bei den Aktionstagen Nachhaltigkeit aber haben nur 500 mitgemacht. Da gibt es noch viel Luft nach oben", erklärt Wolfram Tertschnig, Nachhaltigkeitskoordinator im Landwirtschaftsministerium. Dabei brächte "Nachhaltigkeit" nicht nur öffentliche Aufmerksamkeit, sie würde sich auch rechnen.

Vorreiter

Ursula Simacek, Chefin der gleichnamigen Gebäude-Management-Firma, kann das nur bestätigen. Sie arbeitet in einer Branche, in der Preiskampf und harte Konkurrenz regieren. Mit Ökologie und sozialen Kriterien versucht sie daher einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Für die Belegschaft, viele davon Migranten aus unterschiedlichen Ländern, hat Simacek Gratis-Deutschkurse organisiert. "In allen unseren Objekten können die Mitarbeiter nach der Arbeit ihr Deutsch verbessern", erzählt sie. Mehr als 300 Sprachausbildungen gab es bereits.

"Das stärkt die Mitarbeiterbindung und erhöht die Motivation", so Simacek. Die positive Folge fürs Unternehmen: weniger Krankenstände, weniger Fluktuation. Zudem schaut die Gebäude-Management-Chefin auf effizienten Ressourceneinsatz – sprich: Putzmitteleinsatz verringern – und aufs Energiesparen. Mittels digitaler Tools werde in den eigenen Gebäuden der Energieverbrauch minimiert.

Auch für Herbert Schlossnikl, Vorstand der Vöslauer Mineralwasser AG, ist Nachhaltigkeit ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. "Wir stehen in Konkurrenz zu Wasser. Da ist es besonders wichtig zu vermitteln, dass wir mit der Quelle sorgfältig umgehen. Es sollen noch viele Generationen davon profitieren", betont Schlossnikl. Weiter erhöhen will er die Recycling-Quote der PET-Mineralwasserflaschen. Derzeit werden 60 Prozent wiederverwertet. Zudem will er den Transport auf der Schiene ausbauen. Noch werden 70 Prozent der Vöslauer-Flaschen per Lkw ausgeliefert.

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