Die ältesten Firmen der Welt

Peugeot 127, Baujahr 1910. Begründer der Auto-Dynastie: Armand Peugeot.
Foto: /Wikimedia Commons/Lars-Göran Lindgren Sweden/GNU 1.2

Traditionsunternehmer treffen sich diese Woche in Wien.

18.06.2017, 10:00

Herr Zengor Hoshi besitzt das weltweit älteste Familienunternehmen. Es ist ein Hotel, das vor sage und schreibe 1300 Jahren gegründet wurde und seit 46 Generationen im Eigentum der Gründerfamilie steht. Das Hoshi Hotel ist eine von 47 Firmen, die dem Club der wohl exklusivsten Kaufleute der Welt angehören. Ihre Betriebe sind mindestens 200 Jahre alt und immer noch im Besitz der Gründerfamilie. Diese Woche treffen die Mitglieder des Traditionsclubs "Henokiens" in Wien zusammen. Zu ihnen zählen Juweliere, Bankiers, Besteck-, Auto- und Waffenproduzenten, Reeder, eine Porzellanmanufaktur sowie Likör- und Süßwarenerzeuger aus Europa und Fernost.

Gegründet im Jahr 717

Es war ein buddhistischer Mönch, der im Jahr 717 im Dorf Awazu in Japan eine heiße Wasserquelle entdeckte, mit deren Hilfe bis dahin unheilbare Krankheiten besiegt werden konnten. Der Mönch beauftragte seinen Schüler Garyo Hoshi eine Herberge zu errichten, in der die Quelle zum Sprudeln gebracht werden sollte. Daraus wurde ein Kurhotel mit 100 Zimmern, das sich heute noch im Besitz der Familie Hoshi befindet.Gemeinsam mit anderen jahrhundertealten Betrieben hat sich das Ehepaar Hoshi 1981 zu den "Henokiens" zusammengeschlossen, um gemeinsam ihre große Tradition zu pflegen. Diese Unternehmen sind in Deutschland, Italien, Frankreich, Belgien, Holland, Großbritannien und in der Schweiz zu Hause.

K. u. k. Hofjuwelier

köchert Foto: KURIER/Jürg Christandl Juweliere in sechster Generation: Wolfgang und Christoph Köchert Und eines in Österreich: der renommierte Juwelier A. E. Köchert, der einst das Kaiserhaus mit edlem Geschmeide versorgte. Die in der Wiener Innenstadt gelegene Goldschmiedewerkstatt wurde 1814 von Emanuel Piote gegründet, dessen Geselle Jakob Köchert durch die Heirat von Piotes Schwester zum Teilhaber wurde. Zu Köcherts Aufgaben als k. u. k. Hof- und Kammerjuwelier gehörte die Pflege der kaiserlichen Kronjuwelen, berühmt wurde er aber durch die von ihm entworfenen Sterne der Kaiserin Elisabeth. Kaiser Franz Joseph schenkte seiner Frau 40 diamantbesetzte Sterne, die sie mit Nadeln in ihrem Haar befestigte. Der Kaiser orderte bei A. E. Köchert auch den Schmuck für die Hochzeit des Kronprinzen Rudolf, weiters für seine Freundin Katharina Schratt und für andere Damen der Gesellschaft. Auch das Hochzeitsdiadem der Kaiserin Zita stammte von Köchert.

Das weltweit größte und bekannteste "Henokiens"-Unternehmen ist die französische Firma Peugeot – seit gut 300 Jahren im Besitz der gleichnamigen Familie. Die Gründerväter begannen mit Spinnereien und Färbereien, ehe sie 1810 auf die Herstellung von Werkzeugen, Kaffeemühlen, Bügeleisen, Nähmaschinen und Fahrrädern umsattelten. Fast alle dieser Produkte werden von Peugeot heute noch erzeugt.1889 begann Armand Peugeot mit der Konstruktion des ersten Kraftfahrzeugs, eines dampfbetriebenen Dreirads vom Typ 201. Bald ging er auf die industrielle Erzeugung von Benzinautos über. Heute werden jährlich mehr als zwei Millionen Pkw der Marke Peugeot hergestellt, zum Konzern gehören mittlerweile auch Citroën und Opel.

Bewahren & verändern

Die Mitglieder der "Henokiens" treffen einander einmal im Jahr. Da die Zusammenkunft diesmal in Wien stattfindet, sind Christoph, Wolfgang und Florian Köchert – die das Juweliergeschäft am Neuen Markt in sechster Generation führen – die Gastgeber. Das Motto des "Henokiens"-Treffens lautet heuer ,Keeping Traditions – Breaking Traditions", womit der Spagat zwischen Bewahren und Verändern gemeint ist. Festredner ist Kardinal Schönborn, der zum Thema "Traditionen und Werte" spricht. "Das Wiener Treffen in Stadtpalais Liechtenstein ist mit der Hoffnung verbunden", verrät Christoph Köchert, "dass weitere Traditionsunternehmen in Österreich gefunden werden, die die Voraussetzungen mitbringen, Mitglieder der ,Henokiens’ zu werden".Der Name "Henokiens" wird vom biblischen Propheten Henoch abgeleitet, der laut Überlieferung 800 Jahre alt wurde. Daran dürfte wohl selbst die derzeitige "Henokiens"-Präsidentin Pina Amarelli Zweifel haben, die an der Spitze des gleichnamigen, 1731 gegründeten ältesten Süßwarenkonzerns Italiens steht. Zu Amarelli-Produkten zählen Liköre, Bier, Schokolade- und Kosmetikartikel – allesamt aus Lakritze hergestellt.

Bank-Gründung 1672

In London zu Hause ist das 1672 gegründete Bankhaus C. Hoare & Co, die älteste Privatbank Großbritanniens. Sie hat das Kunststück zuwege gebracht, selbst in den Jahren der weltweiten Finanzkrise zu expandieren. Heute verwaltet das in der noblen Fleet Street gelegene Kreditinstitut rund 3,8 Milliarden Euro. Es wird von acht Gesellschaftern geführt, die in elfter Generation Mitglieder der Familie Hoare sind. "Da jeder Teilhaber mit seinem Privatvermögen haftet, gehen wir vorsichtig vor und sind in unseren Investments sehr konservativ", lautet die Devise. Offenbar mit Erfolg: Es gibt englische Familien, die ihr Geld seit 300 Jahren bei Hoare anlegen.

Mehr als 14.000 Jahre

Weitere "Henokiens" sind die italienische Reederei Augustea (gegründet 1629), der französische Besteck- und Stahlproduzent Beligné (1610, erzeugt in 14. Generation das berühmte Schweizermesser), die italienische Waffenfabrik Bereta (1526, in 17. Generation), der deutsche Spirituosenhersteller Schwarze (1664, in 12. Generation) und die französische Porzellanwaren-Manufaktur Revol (1768, in 9. Generation).

Die 47 Traditionsunternehmen sind durchschnittlich 311 Jahre alt und zählen gemeinsam 14.617 Jahre.

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