Beinhartes Match um den EU-Gasmarkt

Die Pipeline Nord Stream II sol rund 9 Milliarden Euro kosten.
Foto: APA/dpa-Zentralbild/Stefan Sauer

USA gegen Russland: Der Senat in Washington will Europas Energiekonzernen Teilnahme an Nord Stream verbieten.

16.06.2017, 18:00

Ein Gesetzesentwurf des US-Senats, der die Sanktionen gegen den Iran und Russland ausweiten soll, versetzt Europas Energie-Branche in Aufruhr. Ganz unverhohlen wird in dem Entwurf nämlich festgehalten, worum es eigentlich geht: um den Verkauf amerikanischen Flüssiggases nach Europa und die Verdrängung russischen Erdgases vom europäischen Markt.

Per diesem geplanten Gesetz wollen die Amerikaner europäischen Energiekonzernen verbieten, Geld in russische Pipelines zu stecken, sich an diesen zu beteiligen oder Pipeline-Teile zu liefern. Tun sie das doch, würden sie am US-Markt mit Sanktionen belegt. Das träfe in Österreich gleich zwei Großunternehmen: die OMV und die voestalpine. Der heimische Öl- und Gaskonzern hat der russischen Gazprom eine Beteiligung an der Finanzierung des zweiten Pipeline-Strangs der Nord Stream zugesagt. Und die Voest liefert dafür Spezialbleche.

Scharfe Kritik

Kein Wunder also, dass Bundeskanzler Christian Kern die amerikanischen Vorstöße scharf kritisierte. Zusammen mit dem deutschen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel wies er "die völkerrechtswidrigen exterritorialen Sanktionen gegen europäische Unternehmen, die sich am Ausbau der europäischen Energieversorgung beteiligen", zurück.

Neben der OMV hat auch der deutsche Energiekonzern Uniper, die französische Engie und die niederländisch-britische Shell eine Finanzierung der Nord Stream zugesagt. Rund 4,5 Mrd. Euro – die Hälfte der Gesamtkosten – wollen fünf Konzerne zur Verfügung stellen, falls die russische Gazprom keine Projektfinanzierung für den Bau der Nord Stream II aufstellt.

Europa braucht mehr Gas

Rund ein Drittel des gesamten europäischen Gasverbrauchs von 500 Milliarden Kubikmeter im Jahr kommt aus Russland. Der Rest ist Eigenproduktion und Import aus Norwegen und Nordafrika. Aus den USA, die seit einigen Jahren mit Fracking mehr Gas fördern, als sie brauchen, kommt bisher aber fast nichts nach Europa. Die europäischen Flüssiggas-Anlagen (u. a. in Rotterdam), wo das amerikanische Gas angeliefert werden könnte, sind nur zu einem Viertel ausgelastet.

Geht es nach dem Willen der Amerikaner, sollte sich das ändern. Dies ist aber nur möglich, wenn sie russisches Gas verdrängen. Denn Europas Gasverbrauch steigt nicht mehr. Im Gegenteil: er sinkt jährlich ein kleines bisschen. Warum sich die USA und Russland dennoch um ein Match um Europas Gasmarkt liefern, hat einen wesentlichen Grund: Europas Eigenversorgung mit Gas wird in den nächsten Jahren dramatisch schrumpfen. Das größte EU-Gasfeld Groningen in den Niederlanden ist fast ausgefördert und die britischen Nordseefelder liefern jährlich um bis zu zehn Prozent weniger Gas."

Widerstand auch in der EU

Dieser Produktionsrückgang verläuft viel rascher als der Nachfragerückgang", sagt ein Gasexperte. Daher müssen die fehlenden Mengen durch Importgas ersetzt werden. Russland will den Großteil der Fehl-Mengen mit dem Bau der zweiten Röhre der Nord Stream-Pipelin abdecken. Bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas sollen auf diese Weise zusätzlich nach Europa transportiert werden. Für US-Flüssiggas wäre dann wenig Platz.

Die USA sind aber nicht die Einzigen, die diese 1224 km lange Nord Stream II, die von Russland durch die Ostsee nach Deutschland gelegt werden soll, verhindern wollen. Auch Teile der EU – allen voran die Polen und Balten – lassen an dem Projekt kein gutes Haar. Brüssel versucht nun sogar, EU-Recht für die Nutzung der Pipeline, die mit Ausnahme von wenigen Kilometern nicht durch EU-Territorium verläuft, vorzuschreiben. Gazprom müsste dann Fremdlieferanten Gas durch die Pipeline transportieren lassen – für die Russen undenkbar. Und zu guter Letzt macht auch Greenpeace gegen die Pipeline mobil. Sie bedrohe Naturschutzgebiete, sagt Greenpeace und fordert die OMV zum Rückzug aus dem Projekt auf.

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