Teamchef-Suche: Verdächtige & Überraschungen

Wer wird's? Der allseits genannte Andreas Herzog oder vielleicht einer wie René Weiler?
Foto: ap/apa

Der KURIER präsentiert typisch österreichische Lösungen ebenso wie völlig untypische.

12.10.2017, 06:00

Wer coacht am 14. November in Wien Österreich beim Testspiel gegen Uruguay? Zehn Namen hat Peter Schöttel auf seiner Liste. Bis Freitag will der neue Sportdirektor mit allen zehn Kandidaten gesprochen haben. Die ÖFB-Taskforce aus Präsident Windtner, Geschäftsführer Neuhold, Generalsekretär Hollerer sowie Austria-Vorstand Kraetschmer als Vertreter der Bundesliga wird die Vorschläge diskutieren und eventuell einschränken. Schöttel soll dann mit den Kandidaten ins Detail gehen.

Am Ende sollen drei Trainer übrig bleiben. Aus dieser Shortlist wird dann bis 30. Oktober das 13-köpfige ÖFB-Präsidium den Teamchef bestimmen. Der soll schon im November mit den Teamspielern in ein Trainingslager einziehen können. Den Zeitraum hat man sich selbst eingeengt – weshalb eine Verpflichtung des bei Köln derzeit strauchelnden Peter Stöger schwierig wird. Hasenhüttl hat schon abgewunken, Hütter ist in Bern im Höhenflug. Puncto Gehalt will man zurückschrauben – weshalb internationale Top-Leute wie Matthias Sammer schwer zu finanzieren sind.

Der KURIER präsentiert eine Liste mit fünf Verdächtigen und fünf Überraschungen.

Die üblichen Verdächtigen, die wohl  auf Peter Schöttels Liste stehen:

Andreas Herzog

Österreichs Rekord-Teamspieler und doppelter Leider-nein-Teamchef. Toni Polster drückt es so aus: "Er hat die Erfahrung aus über 100 Länderspielen, und er hat unter den besten Trainern der Welt gearbeitet. Der Schritt zum Teamchef wäre der nächste logische Karrieresprung." 2005 war er mit Sportdirektor Ruttensteiner für zwei Spiele Interimsteamchef, danach war er Co-Trainer von Josef Hickersberger. Dessen Nachfolge trat nicht Herzog an, sondern der Tscheche Karel Brückner. Herzog war Co-Trainer mit dem Slowaken Jan Kocian und nach dessen Abgang U-21-Teamchef bis 2011. Nach Constantinis Aus kam er wieder nicht zum Zug, es kam der Schweizer Marcel Koller. Herzog ging als Co-Trainer zu Jürgen Klinsmann in die USA und mit diesem, als der Deutsche letzten November entlassen wurde. Der 49-Jährige hat Erfahrung mit Auswahl-Teams, aber keine in einem Klub. Bei Rapid kam er nicht zum Zug, nach Altach wollte er nicht.

Franco Foda

Jubel von SK Puntigamer Sturm Graz Trainer Franco Foda. Foto: APA/MARKUS LEODOLTER Auch der Name des Deutschen taucht bei Teamchefdebatten immer wieder auf. 2011 bestätigte der ÖFB, dass man Kontakte zu seinem Arbeitgeber Sturm aufgenommen hatte. Die deutsche Boulevardzeitung Bild hatte gar schon die Einigung vermeldet. Aber es kam anders, es kam Koller. Jetzt ist der 51-Jährige wieder ein heißer Kandidat. Sogar sein eigener Sportdirektor sieht ihn unter den Favoriten. Günter Kreissl sagte zu 90Minuten.at: "Ich sehe es auch so, dass er gut ins Profil passt. Es würde mich nicht wundern, wenn er ein ernsthafter Kandidat wird."

Thorsten Fink

Thorsten Fink Foto: KURIER/Jeff Mangione Der smarte deutsche Trainer der Austria ist auch für das Team ein Thema. "Es ist eine reizvolle Aufgabe, mit so einer tollen Mannschaft etwas aufzubauen", sagt er. Mit einer Einschränkung: "Aber ich bin hier bei Austria Wien, und wir haben große Ziele." Der bald 50-Jährige hatte seine beste Zeit als Trainer in Basel, gewann zwei Mal den Titel und kam zwei Mal in die Champions League.

Zoran Barisic

Der ehemalige Rapid-Trainer ist ohne Job und wird daher als Kandidat gehandelt. Der 47-Jährige sagt aber: "Dafür fühle ich mich viel zu jung." Sein Türkei-Engagement bei Karabükspor war auch keine Top-Werbung und endete nach nur vier Monaten.

Werner Gregoritsch

Herzog fiel seinerzeit zwei Mal als U-21-Trainer bei der Teamchefkür durch. Dennoch macht sich der aktuelle U-21-Coach Hoffnungen. Vom Rossini in Gleisdorf bis zum Hotel in Albacete reicht aber die Spur von Verfehlungen seiner Spieler: Vom Bar-Ausflug in der Steiermark bis zur Hotelbeschädigung in Spanien. Aber trotz aller U-21-Ausschweifungen wurde der Vertrag als U-21-Chef verlängert.

Wessen Bestellung ebenso überraschen würde wie jene von Marcel Koller 2011:

René Weiler

Der 44-jährige Schweizer galt in seiner Heimat als großes Fußballer-Talent. Er spielte für Winterthur, Aarau, Servette Genf, den FC Zürich und einmal im Team, musste seine Karriere aber aus Verletzungsgründen bereits 26-jährig beenden. Umso früher wurde er Trainer. Er begann in der Jugend, führte später Aarau in die Schweizer Super League und wurde 2014 vom 1. FC Nürnberg geholt. Die Franken führte er in Liga zwei auf Platz 3, im Aufstiegs-Play-off scheiterte er an Eintracht Frankfurt. 2016 holte ihn Anderlecht, den belgischen Traditionsklub führte er prompt zum Meistertitel und in die Champions League. Am 18. September trennte sich der Klub vom Schweizer.

Urs Fischer

FC Basel coach Urs Fischer before the match Foto: REUTERS/Arnd Wiegmann Wieder ein Schweizer, einer, der sogar den selben Berater hat wie Marcel Koller. Der 51-Jährige führte zuletzt den FC Basel zu zwei Meistertiteln und einem Cup-Sieg. Im Sommer musste er dennoch gehen und war gleich danach bei Rapid im Gespräch. Weil er lieber Pause machte, sagte er seinem langjährigen Weggefährten Fredy Bickel ab. Mittlerweile ist er vermutlich ausgeruht.

Dominik Thalhammer

Er wurde als Akademie-Trainer bei der Admira Meister mit der U 17 und der U 19 und führte die Amateure in die Ostliga, ehe er 2004 mit 33 Jahren zum jüngsten Bundesliga-Cheftrainer bestellt wurde. Nach 33 Spielen musste er gehen. Was auch beim Wiener Sportklub und dem FAC nicht gelang, glückte dann beim ÖFB: 2013 gelang ihm mit dem U-17-Frauenteam die erste Qualifikation des ÖFB für eine Frauen-EM, gleiches gelang ihm mit dem Frauen-A-Team, das er 2017 sensationell ins EM-Halbfinale führte. Thalhammer gilt als innovativ, modern und taktisch besonders versiert. Wahrscheinlich ist er deshalb beim ÖFB  für die Trainerausbildung verantwortlich.

Vladimir Weiss

2018 World Cup Qualifications - Europe - Austria v Foto: REUTERS/LEONHARD FOEGER Ja, der Slowake spricht Deutsch. Der heute 53-Jährige führte Petrzalka in seiner Heimat zum Meistertitel und in die Champions League, die Slowakei führte er als Teamchef 2010 zur historischen ersten Endrunden-Teilnahme und bei dieser ins WM-Achtelfinale. Danach gewann er unter anderem mit Kairat Almaty zwei Cuptitel in Kasachstan. Als Teamchef von Georgien gelang ihm jüngst ein 1:1 gegen Österreich, einige Spiele in der WM-Qualifikation verlor man nur knapp. Sein Vertrag läuft Ende des Jahres aus, eine Verlängerung steht im Raum.

Markus Weinzierl

FILE - In this April 1, 2017 file photo Schalke's … Foto: AP/Martin Meissner Ein Bayer für Österreich? Warum nicht? Der 42-Jährige aus Straubing führte Jahn Regensburg in die zweite Liga und Augsburg in die Bundesliga. Dort landete er einmal auf Platz acht und einmal auf Platz fünf. 2013/’14 wählten ihn die Spieler der Bundesliga vor Pep Guardiola und Jürgen Klopp zum Trainer des Jahres. 2016 übernahm er Schalke, mit dem Großklub landete er 2017 nur auf Platz 10 und wurde beurlaubt. Seit Sommer ohne Job.

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