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Nicholas Ofczarek: "Es ist natürlich sehr fordernd"

Nicholas Ofczarek
Foto: Kurier/Juerg Christandl

Der ROMY-nominierte Schauspieler über seine völlig unterschiedlichen Berufe Theater und Film sowie die Lust am Extremen.

19.04.2017, 09:53

Nicholas Ofczarek, der sich seit Kurzem "Kammerschauspieler" nennen darf, sitzt entspannt bei einem Nachmittags-Imbiss auf dem Wiener Naschmarkt. Dass er in zwei Stunden auf die Bühne muss, merkt man dem Theater- und Film-Charakterdarsteller – der für die ROMY als beliebtester Schauspieler nominiert ist – nicht an.

KURIER: Bei unserem letzten Gespräch vor zwei Jahren freuten Sie sich besonders auf die Dreharbeiten für "Tatort: Die Geschichte vom bösen Friedrich". Für Ihre Rolle eines psychopathischen Mörders bekamen Sie dann hymnische Kritiken. Und sind jetzt für die ROMY nominiert.

Nicholas Ofczarek: Ja, das war wirklich eine große Sache. So ein Angebot bekommt man als Schauspieler selten. Ich habe den "Tatort" im April vor zwei Jahren gedreht, und vor einem Jahr wurde er dann ausgestrahlt. In Deutschland war er ein Riesenerfolg, darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut. Und es gab dann erstmals einen Bericht über mich in der Bild-Zeitung, der Titel lautete: "Ich bin gar nicht so psycho...". Was ich natürlich nie gesagt habe.

Eine arge Rolle …

Im Endeffekt ja. Während des Drehs bekommt man das ja gar nicht so mit. Interessant war, dass eine besondere Kameratechnik verwendet wurde. Dadurch wirkte meine Figur isoliert. Natürlich war aber auch die Rolle sehr gut geschrieben.

... vielleicht liegt das Rollenangebot ja an Ihnen?

Ja, mir werden sehr oft extreme Rollen angeboten.

Sie spielen schon gerne solche Typen, oder?

Natürlich, denn die sind schauspielerisch viel interessanter ...

Sie haben heute Vorstellung im Burgtheater – was spielen Sie?

"Endspiel" von Samuel Beckett – mit Michael Maertens. Auch wieder eine extreme Rolle, ein extremer Abend.

Sie sind zudem für Ihre Rolle im Wien-Krimi "Höhenstraße" nominiert – der bekam großes Lob, aber auch heftige Verrisse, was ja immer interessant ist.

Ja, es ist doch klar, dass die Arbeit von Regisseur David Schalko in Österreich auch auf Widerspruch stößt. Gerade deshalb arbeite ich gerne mit ihm. "Höhenstraße" war unser viertes gemeinsames Projekt und hat übrigens vor einigen Wochen den deutschen Fernsehkrimi-Preis gewonnen.

Sie spielen viel Theater, aber auch sehr viel Film.

Einen Film zu drehen oder Theater zu machen, sind zwei völlig unterschiedliche Berufe. Gerade das macht es so interessant, beides zu machen. Es ist natürlich sehr fordernd – aber ich versuche mich immer sehr gut vorzubereiten. Beim Film und Fernsehen hat sich in den letzten Jahren viel verändert: vor 20 Jahren hatte man für einen "Tatort" noch mehr als 30 Drehtage. Heute sind es um die 22. Deshalb kann man viel weniger ausprobieren, muss viel schneller abliefern und eben sehr gut vorbereitet sein. Eine Rolle beim Film hat man nicht so in der Hand wie am Theater. Vieles entscheidet sich erst im Schnitt. Das Theater dagegen lebt von seiner Unmittelbarkeit im Moment.

Sie haben jetzt erstmals an einem Drehbuch mitgearbeitet, für den Kinofilm "Zauberer".

Der Film ist schon abgedreht, er wird jetzt gerade geschnitten. Der Regisseur Sebastian Brauneis hat gemeinsam mit dem Schriftsteller Clemens Setz ein Drehbuch entwickelt, das auf einem Roman-Fragment von Clemens Setz basiert. Ich habe dann bei den Dialogen mitgeschrieben.

Als das Drehbuch fertig war, haben wir den Film für die Förderung eingereicht – das war eine neue Erfahrung für mich. Bis jetzt war ich ja vor allem auf der künstlerischen, ausführenden Seite tätig. Plötzlich ging es aber um Politik und andere Interessen. Es war ein langer Weg, auf dem wir uns oft ohnmächtig gefühlt haben. Dennoch ist es uns am Schluss gelungen, die Fördergeber zu überzeugen. Das lag an dem ungewöhnlichen und sehr guten Drehbuch, aber auch der sensationellen Besetzung. Die Schauspielerinnen und Schauspieler, die wir gewinnen konnten, waren von Anfang an von dem Drehbuch und der Ästhetik überzeugt.

Wie ist Ihre Rolle?

Ich spiele einen Lebensberater. Es handelt sich um eine Episoden-Geschichte – mehrere Handlungsstränge, in denen die Figuren in unterschiedlichen Konstellationen aufeinandertreffen. Ein fein verwobener Film, eben ein "Zauberer". Es geht um die Macht der Imagination, um magisches Denken. Wir konnten Regina Fritsch, Tamara Metelka, Joel Basman, Florian Teichtmeister, Roland Koch und Lukas Watzl gewinnen – man wird aber auch neue Gesichter und junge Talente sehen.

Sie spielen am Akademietheater ja auch noch "Diese Geschichte von Ihnen" mit August Diehl, in der Regie von Andrea Breth – eine ganz außergewöhnlich gute Arbeit.

Ich bin sehr glücklich über diese Arbeit, am Theater passiert es nicht so oft, dass alle Parameter stimmen. Ich stehe an diesem Abend drei Stunden durchgehend auf der Bühne, in jedem Akt mit einem anderen wunderbaren Partner. Die Arbeit mit der Regisseurin Andrea Breth war unglaublich genau und deshalb befreiend. Der Abend ist lebendig und jedes Mal ein bisschen anders. Das ist das Herrliche daran.

Was bedeuten Ihnen Preise und Auszeichnungen? Sie sind ja oft nominiert …

Ich freue mich über jede Nominierung, allein das ist ja schon eine Würdigung meiner Arbeit.

Sie sind für die ROMY nominiert als beliebtester Schauspieler. Glauben Sie, sind Sie ein Publikumsliebling? Wollen Sie einer sein?

Ich bin glücklich, wenn meine Arbeit vom Publikum geschätzt wird, somit wäre es natürlich eine große Auszeichnung, wenn ich einen Publikumspreis wie die ROMY erhalten würde.

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