Die wunderbare Heilkraft des Waldes

Fantastische Weite: Blick von der Kasbergalm ins Alpenvorland
Foto: /WALDNESS-Almtal

Die oberösterreichische Gemeinde Grünau im Almtal wartet mit einem besonderen Angebot auf: "Waldness" verspricht Wellness im Wald – mit Waldkneippen, Latschenbädern und Waldmassage. René Freund hat es für den KURIER getestet.

13.08.2017, 06:00

Eiskalt fühlt sich das Wasser an, kleine Nadelstiche beleben die Haut an den Beinen, und die Fußsohlen werden vom Flusskies massiert. Waldluft füllt meine Lungen, aber nicht nur das, ich habe das Gefühl, auch meine Seele atmet auf. Das ist das ganze Geheimnis von "Waldness" in Grünau im Almtal: Es lässt uns wiederentdecken, dass die Natur alles hat, was wir Menschen brauchen. Mehr noch: Dass wir ein Teil der Natur sind.

Almwellness Rene Freund… Foto: /Hannah Freund Autor René Freund testet für den KURIER in seiner Wahlheimat, dem Almtal,die positive Wirkung des Waldness

Verzaubert von Elfen

Das Almtal im Süden Oberösterreichs verdankt seinen Namen den Elmen, den Elfen, und einiges vom Zauber dieser sagenumwobenen Naturgeister kann man auch heute noch spüren. Es ist ein Schlusstal – aber nur für die Autos. Für Wanderer und Bergsteiger ist es ein wunderbarer Ausgangspunkt verschiedener Touren. Grünau ist mit 230 Quadratkilometern die größte Gemeinde Oberösterreichs – der Großteil davon besteht aus Bergen und Wäldern. Das Gemeindegebiet ist eine der waldreichsten Gegenden Österreichs mit riesigen Beständen vor allem von Fichten, Tannen und Lärchen.

WALDNESS-Almtal… Foto: /WALDNESS-Almtal Diese Nadelbäume kommen auch zu Hauf im Schindlbachtal vor, einem Nebental, wo man mit der zertifizierten Kräuterpädagogin, Natur- und Landschaftsvermittlerin sowie Wasserinstructorin Maria Hageneder das Baden nach Kneipp inmitten einer Wald- und Wasserlandschaft kennen lernen kann. Das Wasser ist sommers wie winters genau 10,5 Grad kalt – und wirkt auch durch die traumhafte Umgebung ungeheuer belebend.

Dr. Wald ordiniert

Wissenschaftlich lässt sich der positive Effekt des Waldes mittlerweile nachweisen. In Japan und Neuseeland ist die "Forest Medicine" schon lange ein großes Thema. "Dr. Wald" ist für alle da. Terpene, bioaktive Substanzen, die vor allem von Nadelbäumen abgegeben werden, pushen zum Beispiel die für die Krankheitsabwehr zuständigen Killerzellen. Ein Tag in einem Waldgebiet steigert die Anzahl der natürlichen Killerzellen um bis zu 40 Prozent. Blutdruck und Blutzuckerspiegel werden gesenkt, der Herzschlag pendelt sich auf einen natürlichen Rhythmus ein. Tatsächlich untermauern zahlreiche Studien aus verschiedenen Ländern, dass ein paar Stunden im Wald Stress reduzieren, das Immunsystem stärken und den guten Schlaf fördern.

WALDNESS-Almtal… Foto: /WALDNESS-Almtal Wie das funktioniert? Die Riechrezeptoren in der Nase sind mit dem Limbischen System, dem evolutionär gesehen ältesten Teil des menschlichen Gehirns verbunden. Hier werden Gefühle über Gerüche und Duftstoffe wie Pheromone gesteuert. Auch Pflanzen kommunizieren über Geruchsstoffe, und zwar nicht nur untereinander, sondern auch mit uns Menschen. Die ätherischen Öle, die ständig von den Bäumen des Waldes abgegeben werden, erreichen über unsere Haut und über die Lungen direkt die Körperzellen und übertragen die heilenden und stärkenden Wirkungen. So lässt sich auch wissenschaftlich das Gefühl von Einheit und Geborgenheit erklären, das uns in der frischen Waldluft umfängt.

Und das Schönste dabei: Man muss nicht laufen, nicht turnen, sich in keiner Weise anstrengen. Es reicht, ganz einfach im Wald zu sein.

Waldness hat es sich zum Ziel gesetzt, diese wissenschaftlichen Studien zur Heilkraft des Waldes mit Experten umzusetzen und Wege aufzuzeigen, wie man die Atmosphäre am besten für die Gesundheit nutzen kann.

Gecoacht durch den Tau

Erfahrene Coaches aus dem Almtal und der näheren Umgebung betreuen die Gäste. Die Waldpädagogin Kerstin Diensthuber zum Beispiel bietet eine Tauwanderung und ein anschließendes Frühstück im Baumhaus nahe dem Hochberghaus in über 1000 Metern Höhe an. Beim Waldness-Wyda werden Wahrnehmung und Konzentration geschärft, Blockaden gelöst und der Energiefluss harmonisiert. Eine Massage im Baumhaus mit ätherischen Ölen aus dem Wald verspricht sanfte Entspannung.

Almwellness Rene Freund… Foto: /Hannah Freund Waldness ist kein Schönwetterprogramm. Denn erstens enthält die Waldluft bei feuchtem Wetter besonders viele wohltuende Stoffe, und zweitens erinnert man sich ja besonders gerne an so einfache, aber elementare Erlebnisse wie einen Barfuß-Spaziergang über taunasse Wiesen bei Sonnenaufgang, oder das erfrischende Gefühl von Wind und Regen im Gesicht.

Einen besonderen Höhepunkt stellt das Waldbaden mit Fritz Wolf dar. Der Oberförster hat mit seinem Kollegen Albert Botkar die Waldpädagogik nach Österreich gebracht und mehr als 1000 zertifizierte Waldpädagogen ausgebildet. Fritz Wolf wurde vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft zum Österreichischen Waldbotschafter im diplomatischen Dienst des Waldes ernannt und kann wie niemand anderer die hohe Kunst der Waldbewirtschaftung vermitteln. Im Mittelpunkt seines Zugangs steht vor allem der Respekt gegenüber der Natur. Gerne überrascht er seine Besucher mit kleinen Schmankerln, die je nach Jahreszeit, Kräuter, Pilze und andere Köstlichkeiten sein können.

Ein Bad im Latschenfeld

WALDNESS-Almtal… Foto: /WALDNESS-Almtal Einen weiteren Höhepunkt im wahrsten Sinne des Wortes stellt das Latschenbad auf über 1500 Metern Höhe dar. Wobei man dafür keine Badewanne braucht: LayBags (Luftsofas) werden zwischen den Latschenfeldern auf dem Kasberg oder dem Spitzplaneck ausgelegt. Man lauscht der Bergstille, die allenfalls durch das Glockengebimmel der Kühe untermalt wird, und atmet den herrlichen, balsamisch-heilsamen Duft der Latschenkiefer ein. Allmählich wird man langsamer, ruhiger, bedächtiger.

Die regenerierende und aufbauende Wirkung der Waldness-Tage beruht nicht nur auf Therapien und gesundem Essen, sondern auf den Heilungsimpulsen, die aus der Natur und der Landschaft kommen, und die den Menschen in seiner Gesamtheit betreffen. Aus dem Loslassen entstehen neue Kräfte. Und das Schönste dabei: Das Gefühl, in Resonanz mit den Bäumen, dem Wald, der Natur zu sein, verlässt einen nicht so schnell wieder. Man kann es mit nach Hause nehmen.

Info

Grafik… Foto: /Grafik Anreise Mit dem Zug von Wien über Wels nach Grünau im Almtal in etwa 3 Stunden, mit dem Auto 2,5 Std.

Pauschale 4 ÜN/F inkl. Waldspaziergang und Wald-Wyda im Schindlbach, Besuch in der Waldschule mit Fritz Wolf inkl. Waldbuffet,Tauwanderung und Sonnenaufgangsfrühstück im Baumhaus, Waldmassage, Latschenbad, Jodeln und Gipfeltreffen, Waldkneippen in Schindlbach, Waldjause mit Schmankerl der heimischen Direktvermarkter ab 358 € /P. Anreise immer Sonntags zwischen 10.9. und 15.10.

Auskunft Tourismusverband Almtal-Salzkammergut 4645 Grünau im Almtal ☎ 07616 /8268 info@almtal.at, www.almtal.at, waldness.almtal.at

(kurier/René Freund)

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