Start für Mütterschule gegen Extremismus

Hundstorfer, Frauen ohne Grenzen: Mütterschulen starten in Wien
Foto: KURIER/Jeff Mangione

Prävention: In Wien werden Eltern von Jugendlichen geschult, die mit Dschihad sympathisieren.

02.03.2015, 17:01

Was können Eltern tun, wenn ihre Söhne (oder Töchter) den Versprechungen von Terroristen erliegen? Wie kann man verhindern, dass sie Gefahr laufen, radikalisiert zu werden?

Archana Kapoor aus Indien, Tasneem Ahmar aus Pakistan und Munawer Sultana aus Kaschmir haben in ihrer Heimat Hunderten Müttern Antworten auf Fragen wie diese gegeben. Mütterschulen heißt das Projekt, das die österreichische Soziologin Edit Schlaffer seit 2012 in mehreren Ländern initiiert hat.

Gestern, beim Auftakt der ersten Mutterschule in Österreich, schilderten die Expertinnen ihre Erfahrungen: Die Mütter würden es schätzen, ihre Ängste austauschen zu können. Die Frauen würden lernen, wie man mit den Kindern in solchen Situationen reden soll – und dadurch auch selbstsicherer werden.

Schlaffer ergänzte, das Modell werde nun für Österreich adaptiert, eventuell auch für Väter. Derzeit versucht die Sozialforscherin bei Elternabenden in "Brennpunkt-Schulen" Kontakt zu Betroffenen aufzunehmen. In einigen Wochen soll der erste Mütterschulen-Workshop starten. Für die Teilnehmer ist das Projekt kostenlos. Finanziert wird es mit rund 20.000 Euro vom Sozialministerium, das Bildungsressort steuert 3000 Euro bei.

Wo man ansetzen muss

Sozialminister Rudolf Hundstorfer sagte, man müsse den Fokus auf Prävention und Aufklärungsarbeit legen. Dazu gehörten neben den Mütterschulen Integrationsmaßnahmen sowie eine adäquate Ausbildung und Jobangebote. Für Bildungsministerin Heinisch-Hosek zählen auch Schulungen für Lehrer, Lehramtsstudenten und Schüler dazu.

Das Mütterschulen-Projekt (einmal wöchentlich Kurs binnen 10 Wochen) läuft einstweilen in Wien, könnte aber auf andere Ballungszentren ausgedehnt werden. Schlaffer betonte, es seien nicht nur muslimische Jugendliche gefährdet. Jeder, der in unserer Gesellschaft nicht Fuß fassen könne, keinen Job habe, nicht integriert sei, wäre für Extremisten leicht zu gewinnen.

"Es ist wie bei Drogenabhängigen": Ein Gespräch mit Edit Schlaffer finden Sie hier.

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )
Antworten folgen
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    © 2017 kurier.at Hosted & Connected by