Trommel-Wirbel um Strache-Auftritt in Tirol

Martialische Optik: Fahnen, Trommler und eine kreuzförmige Bühne
Foto: APA/EXPA/STEFAN ADELSBERGER

Beim Wahlkampfauftakt der FPÖ Tirol marschierte Vizekanzler Strache flankiert von schwarz gekleideten Trommlern ein. TV-Star Böhmermann kritisierte dies als "faschistische Ästhetik". Im Netz wurde zudem gerätselt, welchen Hintergrund die "Drumatical"-Truppe hat.

12.01.2018, 11:06

Schunkelatmosphäre mit der John Otti-Band im Bierzelt - das war einmal. Die FPÖ Tirol setzte bei ihrem Wahlkampfauftakt in Innsbruck am Mittwochabend auf eine stylische Laser-Show mit Shownebel.

Martialisch gestaltet sich der Einzug von Bundesparteichef Heinz-Christian Strache, der zur Unterstützung der Landespartei für die Landtagswahl am 25. Februar angereist ist. Flankiert von sinistren, schwarz gekleideten, teils am Hals tätowierten Männern mit Sonnenbrillen schreitet Strache die Showtreppe herunter. Die Truppe trommelt mit roten Drumsticks im einheitlichen Rhythmus, dazu wird mystisch anmutende Synthie-Musik mit dunklen Chorstimmen eingespielt. Es wirkt bedeutungsvoll.

"Mächtig und Ehrfurcht gebietend: Der Vizekanzler kommt. Österreich ist wieder wer! Gänsehaut." So brachte es der deutsche TV-Komiker Jan Böhmermann ironisch-kritisch auf den Punkt. Böhmermanns Twitter-Kommentar weckte breites Interesse am Facebook-Video von Straches Auftritt, weit über Tirol hinaus. 

Im Netz wurde der Tiroler FPÖ die Verwendung einer martialisch-militaristischen Bildsprache vorgeworfen. Der Künstler und Filmemacher Thomas Draschan verglich die Inszenierung von Innsbruck gar mit historischen Fotos aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger, der ebenfalls mit den Trommlern aufmarschiert ist, warf daraufhin im Standard all jenen, die in der Inszenierung eine faschistische Ästhetik orten, "Verharmlosung des Nationalsozialismus" vor.

In Reaktion darauf legte Böhmermann noch einmal per Twitter nach und schrieb: "Es ist faschistische Ästhetik."

"Kein Naheverhältnis"

Neben der martialischen Bildsprache wurde noch darüber diskutiert, welchen Hintergrund die rätselhafte Trommler-Truppe haben könnte.

Es handelt sich um "Drumatical Theatre", eine österreichische Percussion-Gruppe, die in wechselnder Besetzung seit rund 18 Jahren im In- und Ausland auftritt, so etwa 2007 beim Champions-League-Finale in Athen oder 2009 beim Nova-Rock-Festival in Nickelsdorf.

"Wir haben keinerlei Naheverhältnis zur FPÖ" sagt Tom Blue, Ko-Gründer und künstlerischer Leiter des Ensembles, zum KURIER. Der Auftritt in Innsbruck sei keinesfalls als politisches Statement für Rechtspopulismus zu sehen. Man habe schon für alle möglichen Parteien gespielt - Grüne, ÖVP, sogar für die Kommunisten.

>>> Haiders Thronsaal: Der Veranstaltungsort hat für die FPÖ eine parteihistorische Bedeutung

Absagen befürchtet

Über den Wirbel, der sich seit Donnerstag in den sozialen Netzwerken rund um "Drumatical Theatre" abspielt, zeigt sich Tom Blue gar nicht begeistert. Er befürchtet nun eine Reihe von Absagen, ein Veranstalter aus einer Landeshauptstadt habe sich am Freitagmorgen diesbezüglich bei ihm gemeldet. Der KURIER kontaktierte daraufhin den namhaften Veranstalter. Dieser bestätigte, sich über die Ausrichtung der Gruppe informiert zu haben. Von einer Konzertabsage habe man letztlich abgesehen, weil die Gruppe glaubhaft darstellen konnte, kein Naheverhältnis zur FPÖ zu haben. Generell wolle man nicht als Veranstalter auftreten, wenn ein Künstler einer politischen Partei, egal welcher Richtung, zuzurechnen ist.

TIROL-LANDTAGSWAHL: WAHLKAMPFAUFTAKT DER TIROLER F Foto: APA/EXPA/STEFAN ADELSBERGER Den Auftritt in Tirol erklärt "Drumatical"-Chef Tom Blue so: Die Agentur, die mit ihm wegen der Veranstaltung in Kontakt war, hätte zunächst nicht gesagt, für wen die Gruppe an diesem Abend spielen sollte. Später hätte man den Auftritt nur noch schwer verhindern können.

Die Inszenierung vor Ort sei nicht in seinen Händen gelegen, weil er gerade an Vorbereitungen für Shows im Ausland gearbeitet habe. Er vermutet, dass das Flankieren von Strache dem Regisseur vor Ort eingefallen ist.

Uniforme, düstere Optik

Dass die uniforme, stramme und düstere Optik der Trommler-Truppe Assoziationen weckt, die Parteien wie die FPÖ möglicherweise anspreche, verneint Tom Blue mit dem Hinweis auf Auftritte für unterschiedlichste Unternehmen, Organisationen und Parteien.

Auch zu irgendwelchen totalitären Ideen seien keine Bezüge  vorhanden. "Jede Marching-Kapelle marschiert so", sagt er. Orientiert habe man sich vor allem an Gruppen aus dem asiatischen Raum, wie etwa Yamato oder Kodo. Auch zur "Blue Man Group" gebe es Ähnlichkeiten.

"Eine Dummheit"

Die stoischen Mienen der "Drumaticals" erklärt Tom Blue als künstlerische Notwendigkeit: Trommler seien keine Schauspieler und ein auffälliges Mienenspiel wäre inszenatorisch schwer kontrollierbar. Auch könne man die einzelnen Musiker je nach Verfügbarkeit leichter austauschen, wenn sie auf der Bühne keine Persönlichkeit zeigen.

Dass sein Trommler-Ensemble nun in dieses politische Fahrwasser gekommen ist, sei "eine Dummheit, die leider passiert ist".

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