Ein Zwölf-Stunden-Tag ist kinderfeindlich

Bei der Flexibilisierung der Arbeitszeiten darf nicht nur das Betriebserfordernis zählen.

17.02.2017, 06:00

Ist ein Zwölf-Stunden-Tag familienfreundlich? Darüber streiten die Familienpolitikerinnen der ÖVP – wie könnte es anders sein – untereinander. ÖVP-Familienministerin Sophie Karmasin bejubelt den Zwölf-Stunden-Tag als "Chance für Familienfreundlichkeit", während ÖVP-Abgeordnete Dorothea Schittenhelm warnt, dass Frauen in die Teilzeit getrieben würden, wenn sie Kinder von 7 Uhr bis 19 Uhr in den Kindergarten stecken sollen.

Um es ganz klar zu sagen: Ein Arbeitstag mit zwölf Stunden ist selbstverständlich nicht familienfreundlich. Wie denn auch? Acht Stunden lassen sich mit einer institutionellen Kinderbetreuung – Kindergarten oder Schule mit Nachmittagsbetreuung – noch organisieren, aber zwölf Stunden außer Haus sind Kindern unzumutbar. Längere Öffnungszeiten für Betreuungseinrichtungen sind zwar hilfreich, aber ungenügend. Solche Monster-Arbeitsschichten fallen in der Praxis ja nicht nur in Tages-Kernzeiten, sondern auch in Randzeiten, in die Nacht und ins Wochenende.

Eltern müssen also zusätzliche, private Kinderbetreuung organisieren. Dafür braucht es zweierlei: Planbarkeit und Geld. Es liegt daher an den Sozialpartnern, die gerade die Details verhandeln, einen Zwölf-Stunden-Tag für Familien erträglich zu machen. Eltern müssen ihre Dienstpläne rechtzeitig kennen und bei der Wahl der Freizeit mitreden. Es darf nicht nur ums Betriebserfordernis gehen, denn Kinder haben Schul- und Kindergartenpflicht. Sonst sitzen die Eltern in der Freizeit allein zu Hause und müssen weg, wenn die Kinder frei haben. Und wenn man bedenkt, dass in vielen Branchen nicht einmal 1500 € Lohn bezahlt werden, müssen die Überstundenzuschläge wohl bleiben. Denn von einem Brutto-Stundenlohn von 9,40 € Kinderbetreuung zu bezahlen, macht Mehrarbeit zum Verlustgeschäft.

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