Wie sich #MeToo auf Beratungsstellen auswirkt

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Foto: APA/AFP/BERTRAND GUAY

Die Auswirkungen sind bei der Arbeiterkammer (AK) erst in einigen Wochen und Monaten erkennbar. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft (GAW) verzeichnet bereits jetzt einen Anstieg der Anfragen.

14.11.2017, 15:08

Unter dem Hashtag #MeToo berichten Millionen Frauen von sexueller Belästigung. Häufig finden die Übergriffe am Arbeitsplatz statt. Laut Irene Holzbauer, Leiterin der Abteilung Arbeitsrecht der Arbeiterkammer (AK) Wien, werden die Folgen der Kampagne in einigen Wochen und Monaten erkennbar sein. Die Gleichbehandlungsanwaltschaft (GAW) verzeichnet bereits jetzt einen Anstieg der Anfragen.

Der Hashtag #MeToo bestärkte viele Betroffene, öffentlich auch gegen Stars wie Schauspieler Kevin Spacey vorzugehen. Für Spacey bedeutete das unter anderem das Ende als Hauptdarsteller der Serie "House of Cards".

In einigen europäischen Ländern stehen Politiker in der Kritik, so musste etwa der britische Verteidigungsminister zurücktreten. In Österreich gab der langjährige Grünen-Abgeordnete und Listengründer Peter Pilz im November nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung seinen Rückzug bekannt, sein Nationalratsmandat wird er nicht annehmen.

Nicht nur im Showbusiness und in Politikerkreisen kommt es zu sexueller Diskriminierung. Bei der Arbeiterkammer ist die Anzahl der Beschwerden wegen sexueller Diskriminierung in den vergangenen Jahren relativ gleich geblieben, sagte Holzbauer am Dienstag auf APA-Nachfrage. Ob und welche Auswirkungen die Initiative #MeToo haben wird, lasse sich noch nicht sagen: "Das werden wir in einigen Wochen und Monaten sehen."

Auswirkungen starker medialer Präsenz

Auffallend viele Anfragen gibt es laut Ines Grabner-Drews von der Gleichbehandlungsanwaltschaft. "Wir haben Mitte des Monats schon so viele Anfragen wie im November des letzten Jahres." Erfreulich sei, dass sich neben Betroffenen auch verstärkt Unternehmen melden, die präventiv etwas tun wollen und Beratung möchten, so die Gleichbehandlungsanwältin. Den Anstieg der Anfragen sieht Grabner-Drews eindeutig in Zusammenhang mit der #MeToo-Kampagne und der derzeitigen starken medialen Präsenz des Themas.

Sexuelle Belästigung und Diskriminierung komme in allen Branchen vor, berichtete Holzbauer aus der Beratungspraxis. "Vom Erleben her zeigt sich, dass es dort, wo ein Kundenbetrieb stattfindet, vermehrt Fälle in Zusammenhang mit dem Arbeitsplatz gibt, weil einfach ein drittes Element dazukommt". Es komme auch darauf an, wie sich das Unternehmen zu diesem Thema stellt, meinte Holzbauer. Ob etwa im Betrieb ein Umfeld herrsche, das Diskriminierung fördert, beispielsweise durch sexistische Witze.

"In Betrieben sollte es diesbezüglich eine Sensibilisierung geben. Auch das Vorleben wirkt Wunder. Die Arbeitgeber müssen bei sexueller Belästigung jedenfalls ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und einschreiten", sagte Holzbauer.

(APA/dpa/elmo)

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