Vier Paare verraten ihr Liebesgeheimnis

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Foto: Getty Images/iStockphoto/Yuri_Arcurs/istockphoto

Die fünf wichtigsten Punkte, die zu einer guten Beziehung gehören.

14.02.2018, 06:00

50 Jahre, 20 Jahre, zehn und vier Jahre – macht insgesamt 84 Beziehungsjahre, über die vier Paare mit dem KURIER plauderten. Um sich dabei immer wieder die gleiche Frage zu stellen: Ist es Liebe? Und im Gleichklang zu antworten: Ja!

Immer noch.

Das mag nach Verklärung klingen, ist es aber bei genauer Betrachtung nicht. Dazu vielleicht ein paar nüchterne Zahlen. Wie die letzte Statistik zeigt, liegt Heiraten im Trend. Zumindest im Jahr 2016 wurde wieder ein bisschen mehr "Ja" und weniger "Tschüss" gesagt. Die Statistik Austria verzeichnete österreichweit insgesamt 44.890 Eheschließungen (Plus von 0,9 Prozent) gegenüber 15.919 Scheidungen (das ist ein Minus von 2,6 Prozent). Kurios: Das älteste Brautpaar brachte es zusammen auf 167 Jahre, ein 83-Jähriger ehelichte eine 84-Jährige. Das Gegenstück: Ein Paar – er 84, sie 85 – , das sich nach 64 Ehejahren scheiden ließ. Vermutlich stecken hinter all diesen Zahlen große Geschichten und manches Drama.

Hürden und Chancen

"Liebe ist die Fähigkeit, Ähnliches an Unähnlichem wahrzunehmen", heißt es bei Theodor W. Adorno. Sämtliche Gespräche mit den Paaren konnten das auf schöne Weise zeigen.

Auf den folgenden Seiten offenbaren Frauen und Männer, was sie über die erste Verliebtheitsphase hinweg auf Dauer zusammenhielt und hält. Nicht nur: Auch welche Hürden dabei überwunden werden mussten und wie viele Herausforderungen sich dabei immer wieder in den Weg stell(t)en. Dabei hat sich gezeigt: Es existiert kein magisches Einheitsrezept für das Beziehungsglück – jeder muss am Ende seinen Weg gehen. Dennoch gibt’s einige Zutaten, die die Chance erhöhen, dass die Liebe hält.

Ganz oben steht der Wille zu Beziehungsarbeit, darin sind sich alle Paare einig. Das hört niemals auf, also: dranbleiben! Zu einer guten Beziehung gehört außerdem Lernbereitschaft – indem ein Mensch vom anderen lernt, um über sich selbst etwas zu lernen. Schließlich die "Top Five": Respekt, Achtung, Ehrlichkeit, Konfliktfähigkeit und der Mut, einander stets auf Augenhöhe zu begegnen. Zuletzt: der Humor! Wenn zwei miteinander ein bisschen lachen können, ist einiges gewonnen.

Thom und Katharina: „Augenhöhe und manchmal Scottish Breakfast zu zweit“Schwieriger Start 

Für ihr Beziehungsglück bräuchten sie keinen Trauschein, sagen sie  – und stellen sich gleich  mal persönlich vor:  „Wir sind Thom und Katharina, 48 und 50 Jahre alt. Unsere Beziehung ist zehn Jahre alt, und unsere Familie besteht außer uns beiden noch aus Katharinas vier Kindern (14 bis 22 Jahre) und zwei Katzen. Wir sind beide selbstständig, Thom als IT-Berater und Katharina als Softwarespezialistin.“

Paar Foto: /privat/Robert Pollai

Der  Blick zurück ist nüchtern: „Unser Anfang war ein GAU –  ein größter anzunehmender Unfall.“ Beide verheiratet, verliebten sie sich in einer Situation, in der klar wurde, dass alte Beziehungskonzepte  nicht mehr passten. „Wir begannen also mit einem  Rundumschlag, der  ehemalige Partner und die Kinder verletzte, und im Umfeld  nicht nur auf Verständnis stieß.“ Ein „Binkerl“, das das Duo Kunz/Schwarzer bis heute begleitet. 

Abseits dessen  ist da unendlich viel, „das uns gut tut, das wir uns zu eigen gemacht haben, weil wir wissen, dass es uns über schwierige Momente hinweg hilft.“  Ihre Liebesgeheimnisse :

1. Kein Rechnen, keine Erwartungen.  Es gibt kein „Ich mach den Geschirrspüler, dafür machst du die Wäsche.“ Stattdessen: „Ich mach den Geschirrspüler.  Ich mach die Wäsche. Wir kochen.“ Man bittet den anderen, es existieren keine Gegenleistungen oder Aufrechnungen. Und es gibt keine Erwartungen, stattdessen Konkretes:  „Kannst du bitte ?“  Darunter verstehen die Beiden Initiative und Eigenverantwortung für das Wir.

2. Augenhöhe. „Uns ist es wichtig, miteinander gleichwertig umzugehen. Partnerschaftlich.  Das ist anstrengend – besonders, weil wir beide stur und davon überzeugt sind, einiges wirklich gut zu können, es aber unterschiedlich machen. Was beim Dialog hilft, ist  „mit dem Herzen einer Giraffe“ zu reden (Rosenberg, wer's kennt; Gewaltfreie Kommunikation). Das führt dazu, sich so auszudrücken, dass der Partner nicht verletzt wird. Es geht um Lösungen statt ums Gewinnen.

3.  Offenheit, Aufrichtigkeit, kein Versteckspielen. Das traut man sich nur, wenn man allergrößtes Vertrauen zueinander haben kann. Wenn man sich sicher sein kann, der/die andere tut mir nicht weh. Das haben wir  ein paar Mal versemmelt, aber es ist uns wichtig, immer wieder zu dieser Vertrauensbasis  hinzufinden.

4. Jeder bleibt sie/er selbst.

5.  Zuhören. Die allerschwierigste Übung. Hören, was der/die andere sagt. Möglichst nicht interpretieren, was sie/er mir damit sicher sagen will, sondern hören. Und gegebenenfalls nachfragen, um zu verstehen. Das hat was mit Liebe zu tun, mit den-anderen-sehen-wollen, mit einer Ausrichtung auf das DU. So lange das da ist, wird's auch klappen mit uns beiden.

6. Ab und zu Full Scottish Breakfast zu zweit. Gemeinsam herrichten, lang sitzen, lachen, gut essen, viel reden, sich Zeit nehmen. Uns über all das Gemeinsame freuen und  uns wieder einmal mit uns auseinanderzusetzen. 

Oliver und Daniela: "Wir streiten, weil wir uns lieben"

Sie ist Musikerin und tritt als „Saxo-Lady“ nahezu täglich auf diversen Bühnen auf. Er ist ebenfalls Musiker – und  seit 20 Jahren sind Daniela (49) und Oliver (51) Krammer ein Paar.  Eine lange Zeit des Liebens  – vor allem aber Lernens, wie beide Partner sagen.

… Foto: /Privat

Die größte Herausforderung ist für sie das  Management des Alltagsirrsinns:  „Das Wir mit zwei  Söhnen, das Du und das Ich –  da immer wieder die Balance zu finden, ist nicht einfach“, sagt Daniela. Zweierlei sei hier wichtig – einerseits eine Form von Pragmatismus, um die alltäglichen Herausforderungen zu bewältigen und die Aufgaben optimal aufzuteilen. Andererseits  braucht’s dabei auch eine Streitkultur – „im Wissen, dass wir uns streiten, weil wir uns lieben und weil wir uns letztendlich verstehen wollen. Diese Streitkultur mussten wir uns allerdings erst erarbeiten – die ersten Jahre waren wir viel zu harmoniesüchtig.“ 

Inzwischen haben Daniela und Oliver gelernt, dass ein Konflikt dazu führen kann, sich immer wieder neu aufeinander einzulassen. Das Schöne an der Beziehung sei, meint Daniela, dass beide Partner diesbezüglich schon auf Level 15 sind und nicht die ersten zwei Level immer wieder wiederholen müssen.  Das mache manches  leichter.

  „Im Laufe dieser Zeit habe ich so viel gelernt, über ihn, über mich – und wir lernen immer noch dazu“, erzählt Daniela. Nicht nur: Trotz der vielen Jahre sei da immer noch dieser gewisse Zauber: „Da ist immer wieder,  immer noch – zwischen all dem zu bewältigenden Alltag – dieses Prickeln und  dieses Wissen: „Ja, du!“
BeziehungsarbeitFür Oliver liegt das Geheimnis ihrer Liebe unter anderem im richtigen  Maß an Übereinstimmung und Verschiedenheit. Sowie der Offenheit, den anderen so zu nehmen wie er ist. „Das sind für mich ganz wichtige Zutaten für eine lange Beziehung.“

Darüber hinaus zeuge die Bereitschaft, an der Sache immer wieder und immer weiter zu arbeiten eine Tiefe, die man nur mit Zeit  und im Laufe der gemeinsamen Jahre erreichen kann.

Oliver nachdenklich: „Tja, kluge Worte ... Zu allererst glaube ich jedoch, dass ich mit der Daniela ein Riesenglück gehabt habe. Es passt einfach: Sie ist ehrlich, schön, klug, interessant und interessiert. All das funktioniert nur, wenn die Basis stimmt. Und das ist die Liebe –  alles andere folgt daraus“, resümiert der Musiker.
Das klingt nicht nur ziemlich romantisch, sondern vor allem sehr ehrlich.

Hilde und Josef: "Einander größer machen"

Unterschiedlicher geht’s kaum. Sie arbeitet als Paarcoach, er macht Wein  am Wagram –   vor vier Jahren fanden  die zwei zueinander.  In der noch jungen Beziehung von  Hilde Fehr  und Josef Hintermayer (beide 54) galt es schon früh, Hürden zu überwinden.   Heute erzählen die Beiden, wie die Liebe trotzdem geblieben und am Ende  sogar gewachsen ist.

Foto zeigt Hilde Fehr und ihren Partner Josef Foto… Foto: / Leo Laurentz

„Die Rosarote-Brillen-Geschichte mit dem Märchenprinz und der Traumfrau war bei uns ziemlich schnell beendet“, erinnert sich Hilde. „Nämlich dieses Märchen, das suggeriert, man müsse nur den Richtigen finden, und dann läuft alles von allein“ , konkretisiert sie.  Als die berühmte  Weichzeichner-Brille fiel,  landeten sie und Josef erst einmal im Machtkampf und im üblichen Spiel der Projektionen.   Wo es meist heißt:  „Wer ist der Depp?“ Und jeder  überzeugt ist: der andere!
Gehen oder bleiben?„Zwei Jahre hindurch haderte ich mit mir, ob eine Trennung nicht die einzige Lösung sei. Wir waren einfach zu verschieden und ich fragte mich, wie das weitergehen soll“, erinnert sich Hilde an diese Zeit.

Und dann hörte sie vom „Radikalen Respekt“ im Rahmen der Imago-Facilitator-Ausbildung.  „Drei  Jahre später kann ich nur sagen: Ich habe den besten, tollsten, erotischsten, einfühlsamsten und  – meist –  interessiertesten Mann an meiner Seite. Nicht, weil er sich geändert hat. Vielmehr,  weil wir beide gelernt haben, dass jeder immer  Recht hat“, sagt Hilde. Dazu gehöre, dass ihr Partner und sie einander  größer  und nicht kleiner machen. „Weil wir ein Winning-Team sind.“  Dabei ginge  es auch darum, anzufangen, den Fokus auf alles Schöne in der Beziehung zu richten.

Ähnlich sieht das Josef: „Die Schwierigkeit  war, zu lernen, sich gegenseitig anzunehmen. Sich darauf einzulassen und bereit zu sein, miteinander zu lernen und zu wachsen.“

Die größte Herausforderung für ihn war, Hilde einfach so anzunehmen wie sie ist. Doch irgendwann kam sie, die Einsicht: „Ändern kann man sich höchstens selbst, nie das Gegenüber.“  Aus Josefs Sicht sei es eine große Chance,  sich in einem vertrauten, energiespendenden Umfeld wie es eben eine Beziehung bietet, entfalten zu können. „Schließlich steht hinter jedem starken Menschen  ein starker Partner, der  einem Kraft gibt, der unterstützt  und sein Gegenüber fördert.  Das  bringt Entfaltung auf allen Ebenen – spirituell, wirtschaftlich sowie körperlich – und führt schließlich zu einer Kraft die man alleine nie entwickeln könnte.“  

Peter und Jutta: "Schwierigkeiten zu überwinden, stärkt den Zusammenhalt"

Im Sommer des vergangenen Jahres feierten Jutta (76) und Peter (noch 75) Skyba ihren 50. Hochzeitstag. Für den KURIER  erinnern sich die beiden an die Geschichte ihrer Liebe – und verraten, worauf es dabei  ankommt.

Jutta und Peter Skyba … Foto: Kurier/Juerg Christandl

Als  das „Winterkind“ Jutta  das „sonnige Frühlingskind“ Peter im August des Jahres 1967 heiratete, begann etwas, das die beiden noch heute als „Schweißnaht ihrer 50-jährigen Bindung“ beschreiben. Dabei gab es anfangs   Widerstände. Die Braut, die sich traut, einen Mann ohne Geld zu heiraten, bewies Durchsetzungsvermögen. Kein Mitglied der Brautfamilie erschien zur Hochzeit.

„Das machte uns stark“Nach einem Fest  im kleinsten Kreis und ohne Hochzeitsreise fanden sich die beiden in einer Substandardwohnung glücklich wieder. Sie hatten schließlich  große Ziele.  Verzicht war angesagt, was Jutta offenbar recht schwer fiel –  doch sie schaffte es. Gemeinsam wurde vieles verwirklicht“, beschreibt Peter diese Zeit. Jutta bekam einen neuen Job, auch Ehemann Peter „stieg auf“.

Wie es  weiterging? „Ein Sohn im August 1974 machte uns in unserer schon vorher erworbenen kleinen Wohnung noch glücklicher“, erzählen die beiden. Nicht nur: „Das alles machte unsere Bindung immer stärker. Die gegenseitige Achtung, die stets ein Grundsatz in unserer Ehe war, stieg weiter – bis heute.“ „Haben alles erreicht“Das Paar lebt  nun in einem Haus im Grünen, am Rande des Wienerwalds.  „Wir sehen heute, wie in der Muppet Show, unserer Familie – toller Sohn, liebe Schwiegertochter und zwei süße Enkelmädchen – mit Freuden bei ihrer Entwicklung zu und mischen uns so wenig wie möglich ein.

Das Resümee zu fünf Beziehungs-Jahrzehnten klingt  so einfach wie berührend:  „Wir haben alles erreicht, was wir wollten. Kein Blatt Papier passt zwischen uns. Die Schweißnaht ist fertig.“

Bleibt nur  noch  die Frage zu den wichtigsten Zutaten ihrer langjährigen Ehe.  Jutta und Peter sind sich einig:  „Wichtig sind Durchsetzungsvermögen und Ehrlichkeit. Es braucht  Ziele sowie unbedingten Zusammenhalt. Was keinesfalls fehlen darf: viele lustige, aber auch ernste Gespräche – ohne Streitansatz. Schließlich Akzeptanz und ein gewisses Maß an  Kompromissbereitschaft.“ 

Vor Hürden hat das Ehepaar  längst keine Angst mehr,  im Gegenteil: „Schwierigkeiten zu überwinden, stärkt doch den Zusammenhalt!“  Nicht zuletzt gilt: „Einflüsterer gehören in den Mistkübel.“ 

Kurze Pause. Ein flüchtiges Lächeln. „Das ist unser Leben – ein kitschiger Film ist auch nicht anders als unsere Ehe“, meint Peter.  Schöne Bilanz. Ist das vielleicht Liebe? „Ja“, sagen Jutta und Peter. Wenn das keinen Mut macht ...

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