Verhaltensforscher: Warum der Wolf nicht böse ist

                             
Foto: hkuchera/Fotolia

Hunde galten bisher als toleranter und weniger aggressiv, als Wölfe – zwei Forscherinnen widerlegen diesen Mythos.

22.04.2015, 01:38

Von wegen böser Wolf: Zwei Forscherinnen haben nun bewiesen, dass Wölfe toleranter miteinander umgehen als Hunde – zumindest wenn es ums Futter geht. Das berichten Friederike Range und Zsofia Viranyi vom Messerli Forschungsinstitut der Vetmeduni  im Fachjournal Proceedings of the Royal Society B.

Ob Hunde  auch zu ihren Artgenossen weniger aggressiv und toleranter sind als Wölfe, haben sie am Wolf Science Center in Ernstbrunn untersucht. Sie arbeiteten mit von Menschen aufgezogenen und in Hunde- und Wolfsrudel gehaltenen Tieren (neun Wölfe, acht Mischlingshunde, Anm.).  In den Versuchen wurden je ein ranghöheres und ein rangniedrigeres Tier gemeinsam gefüttert.

In einer Versuchsanordnung erhielten die Tiere in einer Futterschale Fleischstücke, in der anderen einen großen Knochen. Sie waren groß genug, dass zwei Tiere davon fressen konnten, aber auch klein genug, um nur von einem alleine in Anspruch genommen zu werden. Bei den Wölfen haben sich rangniedrigere von ranghöheren Tieren nicht einschüchtern lassen, ihren Anteil am Futter verteidigt und waren ebenso oft aggressiv wie ranghöhere Artgenossen. Bei den Hunden hielten sich rangniedrige Tiere zurück und akzeptierten, dass die ranghöheren das Futter für sich beanspruchten.

Tolerante Wölfe

„Offensichtlich ist bei Hunden die Sensitivität gegenüber einem höheren Rang stärker als bei Wölfen“, sagte Range. So können bei den Wölfen auch niederrangige Tiere protestieren und ihre dominanten Artgenossen würden dies tolerieren. „Wölfe sind in der freien Wildbahn darauf angewiesen, miteinander zu kooperieren, sie jagen zusammen und ziehen ihren Nachwuchs gemeinsam auf. Toleranz scheint wichtig zu sein“.

Die Forscherinnen haben bereits in mehreren Untersuchungen gezeigt, dass Wölfe nicht weniger kooperativ, tolerant oder sozial aufmerksam als Hunde sind. Diese Fähigkeiten der Wölfe könnten die Basis der Mensch-Hund-Beziehung sein. Range und Viranyi gehen davon aus, dass der Mensch bei der Domestizierung des Wolfs wahrscheinlich möglichst gehorsame Tiere selektierte. In der Beziehung zwischen Hund und Mensch geht es darum, ohne Konflikte miteinander zu leben und nicht um Gleichberechtigung. Mit seiner Fähigkeit, die Führung anderer zu akzeptieren, wurde der Hund zum gehorsamen Partner des Menschen.

(kurier/sl)

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