US-Ex-Gymnastin: Essay über sexuellen Missbrauch

Jessica Howard im Jahr 1999
Foto: Screenshot: Youtube/USA Gymnastics

Jessica Howard behauptet, im Alter von 15 Jahren vom damaligen Arzt des Gymnastik-Nationalteams missbraucht worden zu sein. In einem Essay für die New York Times fordert sie einen Bewusstseinswandel.

20.03.2017, 05:00

Jessica Howard, ehemalige US-Athletin der rhythmischen Sportgymnastik, prangert in einem Essay für die New York Times missbräuchliche Praktiken im amerikanischen Gymnastiksport an. Dieser wurde am Mittwoch veröffentlicht.

Die aus Florida stammende Howard will dafür kämpfen, dass der – wie sie selbst schreibt – "lähmende" Missbrauch im Gymnastiksport, den sie selbst vor rund 18 Jahren erleben musste, endlich ein Ende hat. Die heute 33-Jährige war im Zeitraum von 1999 bis 2001 US-amerikanische Meisterin der rhythmischen Sportgymnastik und sagt, dass offizielle Sporteinrichtungen nicht genug tun würden, um Athleten vor Übergriffen zu schützen.

Jessica Howard im Jahr 1999:

"Die institutionelle Toleranz von missbräuchlichem Training und die Neigung der US-amerikanischen Gymnastik wegzuschauen schafft ein Klima, das sexuellem Missbrauch zuträglich ist – und zwar für alle Gymnasten, egal auf welchem Level sie trainieren", schreibt Howard in ihrem Essay für die New York Times. Sie selbst behauptet, im Alter von 15 Jahren von Larry Nassar, dem damaligen Arzt des Nationalteams, missbraucht worden zu sein. Aufgrund einer Hüftverletzung, die aus den strapaziösen Trainings für die Weltmeisterschaften in rhythmischer Gymnastik resultierte, habe sich Howard im Jahr 1999 einer einwöchigen Behandlung bei Nassar auf einer Ranch in Texas unterzogen. In dieser Zeit habe er sie mehrmals missbraucht.  

Missbrauch unter Vorwand

"Nach einem harten Trainingsjahr hat sich Dr. Nassar als der nette Onkel gegeben, der mir seine emotionale Unterstützung zusicherte und mir versprach, mich von meinen Schmerzen zu erlösen", schreibt Howard. "Heute weiß ich, dass er mich unter dem Vorwand der 'Behandlung' missbraucht hat."

Nassar wurde im Dezember vergangenen Jahres wegen Kinderpornografie inhaftiert und vergangenen Monat in 22 Punkten wegen sexueller Übergriffe angeklagt. Er plädiert auf unschuldig. Laut den zuständigen Sachbearbeitern haben mehr als 80 Menschen Anklage gegen ihn erhoben.

Im Februar sprach Howard mit CBS über ihre Erfahrungen. Neben ihr behaupteten dabei zwei weitere Athletinnen aus dem US-Gymnastikteam, Jamie Dantzscher und Jeanette Antolin, von Nassar missbraucht worden zu sein.

Mangelnde Übersicht als Nährboden

In ihrem Essay wirft Howard der amerikanischen Sportgymnastik eine mangelnde Übersicht vor und sieht diese als Nährboden für sexuellen Missbrauch. Sie appelliert an die Organisationen, diesbezüglich eine Null-Toleranz-Politik einzuführen. Zudem ermutigt sie Athleten, Eltern und Trainer, die "unbequemen, aber notwendigen" Gespräche über psychologischen und physischen Missbrauch zu führen. Und fordert von den Organisationen, dass diese sicherstellen, dass Gymnasten, die über Missbrauchserfahrungen sprechen, nicht bestraft werden.

"Es gibt nichts Motivierenderes und Mächtigeres als den Traum von Olympia. Aber es gibt auch ein Leben nach der sportlichen Karriere. Es sollte die Priorität der Mächtigen sein, sicherzustellen, dass Athleten nach dieser nicht mit den lähmenden Effekten von Missbrauch kämpfen müssen."

(kurier/elmo)

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