Warum immer mehr Paare im Schnee heiraten

Das Café 3440 als besondere Wedding Location
Foto: /Pitztaler Gletscherbahn

Immer mehr Heiratswillige zieht es in heimische Winterorte.

14.11.2017, 06:00

Wie kann man im Winter heiraten wollen? Diese Frage stellte sich Raffaela Plaickner vor vier Jahren, als die erste Anfrage für eine Winterhochzeit auf ihrer Berghütte in Vorarlberg kam. Überrascht sei sie im ersten Moment gewesen. Mittlerweile wird ihre Rufana Alp am Bürserberg während der kalten Jahreszeit nicht nur für Geburtstagsfeste und Weihnachtsfeiern gebucht – sondern hat sich auch als Location für Winterhochzeiten einen Namen gemacht.

Obwohl die meisten Eheschließungen nach wie vor während der Sommermonate stattfinden, steigt die Zahl jener, die lieber im Winter "Ja" sagen, kontinuierlich. Laut Statistik Austria feierten 2016 insgesamt 5120 Paare in den Monaten Dezember, Jänner und Februar. Sechs Jahre zuvor waren es erst 3949.

Instagram inspiriert

Eine verstärkte Nachfrage nach Trauungen außerhalb der Hochsaison bemerkt auch Bernhard Fichtenbauer, Gründer des Hochzeitsportals www.hochzeits-location.info. "Die Suchanfragen mehren sich von Jahr zu Jahr", sagt der Experte. Bereits jede sechste bis siebte beziehe sich auf Winterhochzeiten. Warum immer mehr Paare Sonne und Wärme gegen Schnee und Minusgrade eintauschen, ist für Fichtenbauer leicht zu erklären. Viele hätten sich an Fotos von Sommerfeiern sattgesehen. "Außerdem haben soziale Plattformen wie Instagram und Pinterest, wo andere vermehrt ihre Winterhochzeiten zeigen, einen großen Einfluss." Aufnahmen von Bräuten, die sich im weißen Kleid perfekt in die Winterlandschaft einfügen, und Liebesschwüre hoch oben am Berg üben einen besonderen Reiz aus.

Doch Romantik alleine ist für einen Termin im Winter nicht ausschlaggebend. "Paare können viel schneller organisieren und innerhalb von sechs Monaten das Fest realisieren", weiß Wedding Planner Michaela Honies. Zum Vergleich: Manche Sommer-Location muss aufgrund der starken Nachfrage zwei bis drei Jahre im Voraus gebucht werden. Einzige Ausnahme sind Veranstaltungsorte in beliebten Skigebieten, bei denen je nach Größe der Hochzeitsgesellschaft ebenfalls früh gebucht werden muss.

Feiern auf 3440 Metern

An Optionen mangelt es jedenfalls nicht. Wer es modern mag, ist im Söldener Gourmetrestaurant Ice Q richtig. Highlight: Durch die komplett verglaste Front können Gäste den Blick auf die Ötztaler Bergwelt genießen. Noch höher hinaus geht es im Café 3440 im Pitztal, wo in Österreichs höchstem Standesamt geheiratet werden kann.

ice q hotel… Foto: /ice Q/Rudi Wyhlidal

Für viele ist jedoch eine traditionelle Hütte, wie die Rufana Alp, ein Muss. Raffaela Plaickners anfängliches Unverständnis gegenüber Trauungen während der kalten Jahreszeit ist verschwunden – heute ist sie vom winterlichen Ambiente überzeugt. "Es ist einfach ein ganz besonderes Flair", sagt die Restaurant-Besitzerin. Mit viel Liebe zum Detail sorgt sie gemeinsam mit Ehemann Fridolin auch bei eisigen Temperaturen für Wohlfühlstimmung: "Vom Parkplatz sind es zehn Minuten Gehweg bis zur Hütte", erzählt Plaickner. "Auf der Mitte des Weges erwartet die Gäste Glühwein und Maroni." Ein Husky-Schlitten, der das Brautpaar direkt vor den Eingang bringt, kann ebenfalls gebucht werden. Sehr wichtig sei vielen Frischverheirateten eine offene Feuerstelle und viele Kerzen in der Hütte.

Hochzeit auf der Rufana Alp… Foto: /Rufana Alp

Bis weit über die Grenzen Österreichs hinaus ist Michael Laimer bekannt. Mit dem Laimer Urschlag in Strobl am Wolfgangsee gehört ihm die größte Bauernstube in den Alpen. "Jene Paare, die bei uns feiern, kommen aus der ganzen Welt", verrät der Besitzer. Neben Österreichern hat der Salzburger auch schon Gäste aus Bangkok willkommen geheißen. Vom Iglo-Bau auf dem Gelände bis zur Schneebar auf der Terrasse – Hauptsache nicht gewöhnlich.

Laimer Urschlag… Foto: /LAImer Urschlag

Alles andere als alltäglich sind die Anforderungen an Hochzeitsplaner wie Michaela Honies. Seit sechzehn Jahren unterstützt die Wienerin Paare bei der Verwirklichung ihres großen Traums – und weiß um die potenziellen Tücken einer Winterhochzeit. Supergau: Vor einigen Jahren lag eine Woche vor dem großen Tag noch immer kein Schnee. Dann schlug das Wetter ins andere Extrem um. "Zur Hochzeit waren es plötzlich fünf Meter Schnee und wir wären fast nicht zum Zelt durchgekommen", erinnert sich die Organisatorin.

Die Wetterkapriolen gilt es auch bei den Outfits zu bedenken. Zwar unterscheiden sich jene von Braut und Bräutigam nicht von der Sommer-Variante, jedoch empfiehlt die Expertin ersteren, auf eine lange Schleppe zu verzichten. Wer zuerst in der kühlen Kirche heiratet und erst danach auf die warme Hütte fährt, sollte seinen Gästen ausreichend Zeit geben, in ein schickeres, leichteres Outfit zu schlüpfen – und genügend Decken besorgen, damit niemand im Laufe des Tages frieren muss. Wenn es nach Bernhard Fichtenbauer geht, werden Experten wie Michaela Honies bald noch mehr im Winter zu tun haben. Der Portalgründer glaubt: "Ab 2025 werden von Dezember bis Februar ebenso viele Hochzeiten wie von Juli bis September stattfinden."

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