Das ist Österreichs erfolgreichster Teenager

Rayouf Alhumedhi
Foto: Vienna International School / Rayouf Alhumedhi

Der KURIER sprach mit der Wiener Schülerin, die das Kopftuch-Emoji erfunden hat.

14.11.2017, 05:52

Am Anfang stand ein WhatsApp-Gruppenchat. Statt eines Namens wollten die Freundinnen Emojis aneinanderreihen, die ihnen ähnlich sahen – doch Rayouf Alhumedhi, damals 14, wurde nicht fündig. Weder die Prinzessin noch die Tänzerin noch die Braut auf der Smartphone-Tastatur repräsentierte, wer sie war: eine junge Muslima. Mit Kopftuch.

Die Schülerin war so enttäuscht, dass sie sich an Apple wandte. Ihr Anliegen blieb (wenig überraschend) unbeantwortet – für Alhumedhi kein Grund, aufzugeben. Sie recherchierte, wie man dem Unicode Consortium – jener Organisation, die für die Entwicklung der Emojis zuständig ist – einen offiziellen Vorschlag unterbreitet. In dem siebenseitigen Antrag erzählt sie von der jüngeren Geschichte des Kopftuchs und argumentiert: "550 Millionen muslimische Frauen tragen Hijab. Trotz dieser enormen Zahl ist für die Leute nicht einmal eine Taste auf der Tastatur reserviert."

Das saß. Ein halbes Jahr später präsentierte Unicode 69 neue Emojis: ein Igel, ein Dinosaurier, Brokkoli. Und ein Frauengesicht mit Hijab. Alhumedhis Vorschlag war, in leicht veränderter Form, akzeptiert worden.

Mit ihrer Idee hat es Alhumedhi, die in Saudi-Arabien geboren wurde, in das US-Magazin Time geschafft: In dessen jährlicher Liste der einflussreichsten Teenager wird auch sie genannt – neben Berühmtheiten wie Topmodel Kaia Gerber oder "Stranger Things"-Star Millie Bobby Brown (die vollständige Liste finden Sie hier).

"Ich habe geweint, als ich davon erfahren habe. Es ist eine Ehre, mit Persönlichkeiten wie Malala Yousafzai (die Aktivistin hatte es 2013 in die Liste geschafft, Anm.) genannt zu werden", erzählt die 16-Jährige dem KURIER. Vor einem Jahr übersiedelte die Familie – der Vater ist Diplomat – von Berlin nach Wien, wo Alhumedhi die renommierte Vienna International School besucht. Dort ist sie Schülervertreterin und "brilliert" in Naturwissenschaften, wie es in einer Aussendung der Schule heißt. Das Emoji, sagt Alhumedhi, sei wichtig für ihre Identität: "Ich trage Kopftuch, seit ich 13 bin, und zwar freiwillig. Für mich ist das einfach ein Ausdruck meines Glaubens."

Schülerin der Vienna International School schafft Foto: Apple

Dass es nun auch Kritik hagelt – der Hijab sei ein Symbol der Unterdrückung und habe in der fröhlichen Emoji-Sammlung nichts verloren –, überrascht die selbstbewusste Muslima nicht."In dem Moment, als ich das Emoji vorgeschlagen habe, wusste ich, dass negative Reaktionen kommen würden. Es ist mir bewusst, dass manche Frauen unterdrückt werden, und es ist wichtig, diesen Frauen zu helfen. Aber viele Muslimas, so wie ich, tragen das Kopftuch aus freiem Willen. Ich wollte ein Symbol schaffen, das uns repräsentiert."

Wieder andere würden sich beschweren, dass ein kleines Icon so viel Aufmerksamkeit erfährt. "Ich sage dann immer: Wenn es so unbedeutend ist, warum reden die Leute darüber? Für mich ist es mehr als nur ein kleines Bildchen. Es ist ein Zeichen für Vielfalt und Akzeptanz der muslimischen Community in der Gesellschaft." Alhumedhi hofft, dass ihre Erfindung dazu beitragen kann, Vorurteile abzubauen. "Ich glaube, dass dieses Emoji die Welt indirekt positiv beeinflussen kann."

Vorerst wünsche sie sich kein weiteres Emoji, sagt die junge Frau. "Vor einigen Jahren habe ich mich gefragt, warum es keine Läuferin gibt. Immerhin joggen Frauen genauso wie Männer! Zum Glück wurde das beim darauffolgenden Update eingeführt." Die Rechte der Frauen liegen der 16-Jährigen auf dem Herzen, das wird im Gespräch rasch klar.

Feminismus und Kopftuch – ein Widerspruch? Nein, sagt sie: "Im Gegenteil. Beim Feminismus geht es um die Gleichstellung von Mann und Frau. Deshalb ist es wichtig, dass Frauen anziehen dürfen, was sie wollen."

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )
Antworten folgen
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    © 2017 kurier.at Hosted & Connected by