Frauen berichten auf Twitter über Sexismus im Zug

Frauen sind im Zug häufig mit Sexismus konfrontiert.
Foto: Reinhard Vogel

Der Hashtag löste eine Diskussion über sexuelle Belästigung aus.

27.03.2016, 11:17

"Belästigung? Melden und raus mit ihm nächste Haltestelle. Per Polizei. Ist nicht so schwer", schrieb der österreichische Journalist Hanno Settele am Freitag auf Twitter. Er bezog sich damit auf die Ankündigung der Mitteldeutschen Regionalbahn, in Zügen zwischen Leipzig und Chemnitz Abteile für Frauen einführen zu wollen, in denen diese vor Übergriffe geschützt sind. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) bieten diesen Service schon seit 2003 in Abendzügen sowie Eurocity- und Intercity-Zügen an.

Die anschließende Diskussion auf Twitter zeigte, dass es tatsächlich hunderte Frauen gibt, die im Zug sexuell belästigt wurden. Die Studentin Anna Lena Blankel rief dazu auf, diese Erfahrungen unter dem Hashtag #ImZugPassiert mit der Öffentlichkeit zu teilen, es folgten zahlreiche Reaktionen und Berichte.

Fehlendes Problembewusstsein

Nicht alle Twitter-Nutzer solidarisierten sich mit jenen Frauen, die von ihren Erfahrungen mit sexueller Belästigung im Zug berichteten. Vielfach wurde das Erlebte lächerlich gemacht oder runter gespielt.

"Ständig wehren und Raum erkämpfen"

Für Sigrid Maurer, Nationalratsabgeordnete und Wissenschaftssprecherin der Grünen, unverständlich: "Wie kann man(n) sich über etwas aufregen, das niemandem schadet, aber Frauen nutzt", fragt sie auf Facebook. Frauen müssten sich ständig wehren und Raum erkämpfen, manchmal würden aber auch einfach Kraft und Nerven für diesen Kampf fehlen. "Und dann ist es gut, wenn es ein Frauenabteil gibt in das wir uns zurückziehen können.", schreibt Maurer am Schluss ihres Kommentars und stellt damit klar, wie wichtig Schutzzonen für Frauen sind.

Geschützte Räume als Symptombekämpfung

Der Journalist Quentin Lichtblau schreibt auf jetzt.de, warum die Diskussion um #ImZugPassiert derzeit noch zu kurz greift und stellt die Frage, ob Frauenabteile nicht nur eine reine Symptombekämpfung seien und nicht die Belästiger selbst isoliert werden müssen.

>> Alle Tweets zu #ImZugPassiert

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )
Antworten folgen
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    © 2017 kurier.at Hosted & Connected by