Frau trägt Verlobungsring, um Männer "abzuschrecken"

Symbolbild
Foto: Getty Images/iStockphoto/solidcolours/iStockphoto

Eine Amerikanerin postete auf Facebook das Foto eines Verlobungsringes, den sie aus Angst vor unerwünschten Annäherungsversuchen trägt.

10.08.2017, 05:01

Auf Facebook postete eine Amerikanerin ein Foto ihrer Hand, auf der sie auf einem Finger einen Verlobungsring trägt. Für sie ist das jedoch kein Grund zum Feiern. Mackenzi Guptill, so der Name der jungen Frau, will damit auf ein Problem aufmerksam machen, mit dem viele Frauen, unter anderem im Job, konfrontiert sind. "So sehr ich mir wünschen würde, dass das ein 'Ich habe JA gesagt' Posting ist, ist es das nicht", schreibt Guptill. "Dieses Posting ist in Wahrheit viel wichtiger und wird jenen die Augen öffnen, die immer noch nicht damit klar kommen, dass Frauen einen Unsinn wie diesen machen müssen, weil es nicht anders geht."

Guptill erzählt, dass sie kürzlich einen Job als Rezeptionistin in einem Hotel angenommen habe, das sich in der Stadt befindet, in der sie momentan lebt. Sie würde ihren Job eigentlich lieben, im vergangenen Monat sei diese Liebe aber merklich geschrumpft. Anfang Juni sei ein älterer Mann in das Hotel gekommen, der sehr nett und freundlich gewirkt habe. "Ich war höflich und ich habe aus zwei Gründen ein bisschen mit ihm geplaudert. Erstens gehört Höflichkeit dazu. Zweitens ist Kundenservice ein großer Teil der Arbeit an einer Rezeption." Der Mann sei dann immer wieder vorbeigekommen, um mit Guptill zu plaudern. Sie fühlte sich dabei niemals bedroht oder in Gefahr.

Hast du einen Freund?

Doch als der Mann sie eines Tages fragte, ob sie denn einen Freund habe, fühlte sich das für die junge Frau unangenehm an. Obwohl sie antwortete, dass sie seit drei Jahren einen Freund habe, begann der Mann darüber zu reden, dass er keinen Ring an ihrem Finger gesehen habe. "Die nächsten 20-30 Minuten stand er einfach da und hat sich angeboten. Er hat mir erzählt, wie klug ich sei und dass ich sein Buch lektorieren könnte", beschreibt Guptill die absurde Situation auf Facebook. Schließlich verabschiedete sich der Mann von ihr, jedoch nicht, ohne ihr zu sagen, dass sie ihn anrufen solle, wenn die Dinge schlechter laufen und dass sie ihn in Erinnerung behalten solle.

"Ich habe es so satt"

Im Verlauf des Postings schildert Guptill weitere Vorfälle mit männlichen Gästen, die sich aufdringlich und unpassend ihr gegenüber verhalten haben. Ihr Freund schlug ihr schließlich vor, einen falschen Verlobungsring bei der Arbeit zu tragen, um sich vor unerwünschten Avancen zu schützen. Als sie damit zur Arbeit ging, stellte sie fest, dass eine Kollegin, die ebenfalls schon belästigt worden war, auch einen falschen Ring trug. Aus demselben Grund wie sie. "Meine Arbeitskollegin und ich tragen falsche Verlobungs-/Eheringe, damit uns Typen in Ruhe lassen. Nicht irgendein Typ, der nicht weiß, dass du in einer Beziehung bist, aber Typen, die dich verdammt noch mal nicht in Ruhe lassen." Dabei sollte sie sich eigentlich keine Sorgen darüber machen müssen, ob der unheimliche Typ nicht irgendwann zurückkommt. Sie sollte sich keine Sorgen darüber machen müssen, wenn sie in der Nacht zu ihrem Auto geht, ob dort möglicherweise jemand auf sie wartet. "Ich habe es so satt", so die Conclusio von Guptill.

Sie sei selbst keinesfalls davon begeistert, mit einem falschen Verlobungsring rumzulaufen und will diese Taktik auch nicht unbedingt anderen Frauen empfehlen. Ihr Anliegen ist es, mit dem Posting zum Ausdruck zu bringen, wie weit Frauen teilweise gehen müssen, um ein subjektives Sicherheitsgefühl zu bekommen. "Ich sollte keine Waffe, kein Messer und keinen Pfefferspray bei mir tragen müssen. Ich sollte keine Kampfsportart lernen müssen, um zur Arbeit zu gehen und Leute in ein Hotel ein- und auszuchecken. Ich sollte nichts von all diesen Dingen tun müssen. Ende."

Frauen mit ähnlichen Erfahrungen

In den Kommentaren schildern einige Frauen, dass sie bereits ähnliche Erfahrungen wie Guptill machen mussten und ebenfalls einen falschen Verlobungsring tragen, um unerwünschte Annäherungsversuche von Männern zu stoppen. Sie berichten davon, dass sie auch dann nicht in Ruhe gelassen werden, wenn sie angeben, vergeben zu sein. Eine bringt dieses Dilemma mit folgender Aussage auf den Punkt: "Es ist traurig, dass wir vortäuschen müssen, an einen anderen Mann vergeben zu sein, um eventuell sicherer zu sein."

(kurier/elmo)

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )
Antworten folgen
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?
    © 2017 kurier.at Hosted & Connected by