Frau erlebt Paradebeispiel für Mansplaining

Eigentlich wollte Lara B. Sharp nur lesen
Foto: www.facebook.com/lara.bee.sharp

Eine Autorin aus New York hat in einem Facebook-Posting ihr Gespräch mit einem Mann rekonstruiert, der ihr am Pool die Welt erklären wollte.

11.08.2017, 05:05

Alles, was die Amerikanerin Lara B. Sharp wollte, war ein Buch am Pool zu lesen. Der Titel des Buchs "Men Explain Things to Me" von Rebecca Solnit (auf Deutsch: "Männer, die mir Dinge erklären"). Sie hatte keine Ahnung, wie sehr der Titel des Buches bald zu ihrer eigenen Realität werden sollte. Das Phänomen, das auftritt, wenn Männer Frauen die Welt erklären oder ihre Aussagen korrigieren, wird "Mansplaining" genannt. Dabei ist es ganz egal, ob sich die Frau auf dem Gebiet besser auskennt als der Mann oder nicht.

Erfahrungsbericht mit einem "Mansplainer"

Die in New York lebende Autorin Sharp berichtete von ihrer Erfahrung mit einem "Mansplainer" in einem Facebook-Posting. Sie hatte es sich gerade am Pool gemütlich gemacht, als sich ihr ein Mann näherte. Laut Beschreibung war dieser zwischen 65 und 70 Jahre alt und glatzköpfig. Er fragte sie: "Was lesen Sie da, junge Frau?" Die 47-jährige Sharp wies ihn darauf hin, dass sie gerade damit beschäftigt sei zu lesen.

Nachdem der Mann den Titel des Buches gesehen hatte, ging er davon aus, dass sich der Inhalt um Männer als Mentoren von Frauen drehe. Er stellte Sharp weiter Fragen, ob sie Kinder habe und ob sie arbeite. Als ihm Sharp antwortete, dass sie selbst Autorin sei, hakte der Mann nach, ob sie bei einem Frauenmagazin arbeiten würde. "Schreiben Sie über sich selbst? Denn das ist es, was die meisten Frauen tun!", fügte er hinzu. Er bot sich schließlich auch als Mentor an. Als Sharp um seine Einschätzung bat, was er denke, dass ihn dafür qualifiziere, antwortete er, dass er bereits im Ruhestand sei und eigentlich auch kein "großer Leser". Er gab ihr schließlich noch den Rat, sie solle nicht zu hart arbeiten und am besten doch ein Foto von sich selbst im Bikini auf das Cover geben.

"Manterrupting" als Teil unseres Alltags

Auf Facebook wurde die Anekdote bereits über 17.000 Mal geteilt, wohl auch, weil sich – wie in den Kommentaren darunter zu lesen ist – viele Frauen damit identifizieren können. Ein weiteres Phänomen, das dem Mansplaining nicht unähnlich ist, ist das sogenannte "Manterrupting". Der Begriff wird verwendet, wenn Männer Frauen unterbrechen oder nicht ausreden lassen. Dass Manterrupting Teil unseres Alltags ist, zeigt beispielsweise eine US-amerikanische Studie, die an der George Washington University durchgeführt und im Jahr 2014 im Journal of Language and Social Psychology veröffentlicht wurde. Die Haupterkenntnis dieser lautet, dass sowohl Männer als auch Frauen andere Frauen im Gespräch häufiger unterbrechen als Männer.

Ein praktisches Beispiel dafür lieferten die TV-Duelle zwischen Donald Trump und seiner Kontrahentin Hillary Clinton während des US-Wahlkampfes. Bei diesen fiel auf, dass Trump Clinton viel häufiger unterbrach als umgekehrt. Am Ende von einem dieser Duelle stand es sogar 41 zu 7 für Trump.

Der US-Wahlkampf brachte die brasilianische Werbeagentur BETC auf die Idee, die App "Woman Interrupted" zu entwickeln. Die App zählt, wie oft ein Mann einer Frau im Gespräch ins Wort fällt. Das soll über den Zugriff auf das Smartphone-Mikrofon funktionieren. Am Ende eines Gesprächs wird dann die Zahl der männlichen Unterbrechungen angezeigt. Dadurch sollen vor allem Frauen überprüfen können, wie oft sie nicht ausreden können (kurier.at berichtete).

(kurier/elmo)

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