Macron: Afrikanische Frauen bekommen zu viele Kinder

Emmanuel Macron
Foto: APA/AFP/SEBASTIEN BOZON

Mit einem kontroversen Sager über die weibliche Bevölkerung Afrikas hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Samstag im Rahmen des G20-Gipfels in Hamburg für Wirbel gesorgt.

11.07.2017, 15:12

Während sich Donald Trump fast täglich einem neuen Shitstorm auf Social Media stellen muss, blieb Frankreichs neuer Präsident Emmanuel Macron bisher von kritischen Kommentarschüben weitestgehend verschont. Bis jetzt. Im Zuge einer Pressekonferenz beim G20-Gipfel in Hamburg tätigte der 39-Jährige am Wochenende eine kontroverse Aussage, die seither auf Twitter durch den Kakao gezogen wird.

Auf die Frage eines Journalisten von der Elfenbeinküste, warum es für Afrika keinen Marshallplan (Wirtschaftswiederaufbauprogramm der USA, das nach dem Zweiten Weltkrieg Westeuropa zugute kam, Anm. d. Redaktion) gibt, beschrieb Macron die Probleme Afrikas als "zivilisatorisch". Er legte in seinen Ausführungen auch nahe, dass die hohe Geburtenrate den Fortschritt in den Ländern des Kontinents behindern würde. "Afrikas Herausforderung ist komplett anders, sie ist viel tiefgehender", sagte Macron und fügte hinzu, dass man sich in Ländern "in denen immer noch sieben bis acht Kinder auf eine Frau kommen" zwar für finanzielle Hilfe in Milliardenhöhe entscheiden könne, damit "aber nichts stabilisieren" werde.

Auf Twitter wurden Macrons Aussagen nicht gut aufgenommen. Frankreichs Staatspräsident wurde Rassismus und Dummheit unterstellt.

Die Gründe für den Protest gegen Macrons Einschätzungen sind vielschichtig. Wie die Online-Plattform ATTN.com analysiert, blickt Afrika zum einen auf eine lange Geschichte der Unterdrückung und Versklavung zurück. Europa, allen voran Frankreich, hat sich im Zuge des Kolonialismus über Jahrhunderte an Afrika bereichert und damit den Grundstein für die heutige Instabilität und Armut der Länder und Menschen gelegt.

Auch auf Twitter weisen zahlreiche Nutzer auf diesen Aspekt hin:

Auf Twitter weist man Macron auch darauf hin, dass sich seine Kommentare in eine gängige –zutiefst rassistisch geprägte – Praxis der Bewertung der afrikanischen Bevölkerung als unzivilisiert einfügen.

Kritisiert wird auch, dass Macron die weibliche Bevölkerung Afrikas für die hohe Geburtenrate und damit indirekt für die wirtschaftliche schlechte Situation der Länder verantwortlich macht. Vielen Frauen bliebe der Zugang zu Verhütungsmitteln jedoch ein Leben lang verwehrt.

(kurier/pama)

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