Waltraut Haas wird 90: Zwischen Moser und Hörbiger

Waltraut Haas  feiert am 9.Juni 2017 ihren 90.
Foto: KURIER/Gilbert Novy

Waltraut Haas feiert ihren 90. Geburtstag. Klarerweise auf der Bühne.

28.05.2017, 06:00

Hans Moser, Paul Hörbiger, Peter Alexander, Gunther Philipp. Das waren die Helden des österreichischen Nachkriegsfilms, und an ihrer Seite stand sehr oft die junge, schöne Waltraut Haas. Jetzt feiert sie ihren 90. Geburtstag – als letzte Zeugin einer heilen "Mariandl"-, "Hallo Dienstmann"- und "Weißes Rössl"-Welt.

Waltraut Haas Foto: Kurier/Repro Gilbert Novy

70, soll sein 75 Jahre würde man ihr geben, wenn man Waltraut Haas in ihrem Haus in Wien-Hietzing gegenübersitzt. Und doch muss man ihr den 9. Juni 1927 als Geburtstag glauben, hat sie doch vor 70 Jahren schon ihren ersten Film gedreht: In "Hofrat Geiger" war sie das Mariandl an der Seite von Paul Hörbiger und Hans Moser – und über Nacht ein Star. "Dass ich damals mit beiden Beinen auf dem Boden blieb, verdank ich dem Moser, der gleich zu mir gesagt hat: ,Immer schön bescheiden sein, nur net arrogant werden!’ Und das, glaub ich, bin ich nie geworden."

Beginn als Statistin

Vieles in ihrem Leben schien wie auf Schienen zu laufen. "Ich wollte nie etwas anderes als Schauspielerin werden", sagt sie. Diesem Wunsch kam entgegen, dass ihre Mutter ein Restaurant im Schönbrunner Schlosspark betrieb, in dem Film- und Theatergrößen verkehrten. So kam sie zu ihrer ersten Kinderrolle und so lernte sie Paul Hörbiger kennen. Der nahm die 16-jährige Statistin in den Rosenhügelstudios bei den Dreharbeiten zu dem Film "Schrammeln" zur Seite und fragte: "Du bist doch die Tochter von der Frau Haas im Schönbrunner Stöckl. Was machst du da?""Schauspielerin möchte ich werden", antwortete sie."Da wirst es nicht", meinte Hörbiger. "Wenn’s dir ernst ist, geh in eine Schauspielschule und lern den Beruf." Das nahm sich Waltraut Haas zu Herzen – und konnte nicht ahnen, dass sie mit Hörbiger noch elf Filme drehen sollte.Meist war auch der Moser dabei, der ihr zum Vaterersatz wurde: "Das hat sich so ergeben. Er hatte Probleme mit seiner Tochter, ich hab meinen Vater verloren, als ich fünf war. Moser hat mich bei jedem unserer Filme beschützt und wie sein eigenes Kind behandelt."

Peter Alexander

Und noch ein Stück Film- und Theatergeschichte: Waltraut Haas war dabei, als Peter Alexander am Wiener Bürgertheater seine ersten Schritte auf einer Bühne tat. "Als in der Operette ,Abschiedswalzer‘ ein Kollege ausfiel, behauptete ein gewisser Peter Neumayer, die Rolle ohne Probe übernehmen zu können. Daran glaubte niemand, aber nach der dritten Vorstellung war er besser als die Erstbesetzung."Waltraut Haas drehte mit Peter Alexander dann etliche Filme, der populärste war das "Weiße Rössl". Lächelnd erinnert sie sich, "dass der Kuss am Schluss zwischen ihm als Leopold und mir als Rössl-Wirtin echt war". Und dass Peter Alexander seine Ehefrau Hilde bei dieser Szene aus dem Studio schickte. "Aber sie musste sich keine Sorgen machen: Er war nicht mein Typ!"

Waltraut Haas Foto: Kurier/Repro Gilbert Novy Mit Ehemann Erwin Strahl

Die heile Welt

Waltraut Haas weiß, dass dem Publikum in den Filmen eine heile Welt vorgespielt wurde, die es so nicht gab. "Aber die Leute waren froh, nette Menschen und schöne Landschaften zu sehen, die sie für zwei Stunden die Realität vergessen ließen. Dafür muss ich mich nicht schämen."Jetzt, mit bald 90, spielt Waltraut Haas nicht weniger als früher, "eher mehr sogar", sagt sie. Aktuell eine schrullige Erbtante in der Komödie "Der Himmel auf Erden" mit Gerald Pichowetz im Wiener Gloriatheater, "natürlich auch an meinem Geburtstag".Und im September steht sie in der Regie ihres Sohnes Marcus Strahl in "Hofrat Geiger" auf der Bühne der Wachaufestspiele Weißenkirchen. Der Kreis schließt sich: "Ich hab in dem Stück schon alle Rollen gespielt. Jetzt bin ich die Großmutter, das ist die beste Rolle".

Hollywood verfehlt

Ihr positives Naturell trägt sicher viel dazu bei, dass sie sich ihre jugendliche Ausstrahlung bewahrte. Selbst dass sie eine Hollywood-Karriere knapp verfehlte, empfindet sie im Rückblick "eigentlich als Glück": 1953 entstand ein Wilhelm-Tell-Film mit Errol Flynn und Waltraut Haas, doch den US-Produzenten ging während der Dreharbeiten das Geld aus. Der im römischen Exil lebende Ex-König Faruk von Ägypten wollte die Fertigstellung des Films finanzieren – unter der Bedingung, dass ihm die Hauptdarstellerin gefügig sei. "Die Kollegen waren dafür, aber ich hab entsetzt gesagt: ,Ich bin als Schauspielerin engagiert und nicht als Nutte!’" Der Film wurde nie fertig gedreht und mit der Hollywood-Karriere der Waltraut Haas war’s vorbei, noch ehe sie begonnen hatte.

Waltraut Haas Foto: KURIER/Gilbert Novy Im Gespräch mit Georg Markus

Der falsche Moser

Ihr war der Hans Moser als Partner ohnehin lieber als jeder Hollywoodstar. Ein Umstand, dem wir diese Anekdote verdanken: Moser drehte mit Waltraut Haas 1961 das "Hofrat Geiger"-Remake "Mariandl". "Der Hans konnte alles", erzählt sie, "nur eines nicht: sich selbst synchronisieren. Das Mariandl-Lied war schon aufgenommen, da wollte der Regisseur, dass Moser noch die Worte ,Also, geh ma’s an’ einfügt. Hans versuchte es eine Stunde lang, aber es ist ihm nicht gelungen. Daraufhin wurde Gunther Philipp geholt, der ein genialer Moser-Parodist war. Er sagte die vier Worte auf Anhieb à la Moser und die Sache war erledigt. Als bei der Vorführung dann die bewusste Stelle kam, sagte Moser zu mir: ,Siehst Haasi, da behaupten die Leut immer, i kann net synchronisieren. Es war doch großartig!"

Ein paar Jahre noch

Die Sehnsucht nach Komödie und Operette teilte Waltraut Haas mit dem Schauspieler und Regisseur Erwin Strahl, mit dem sie 45 Jahre verheiratet war. Seinen Tod im Jahr 2011 verkraftete sie "indem ich am nächsten Tag auf der Bühne gestanden bin", sagt sie. "Er hätte es sich auch nicht anders gewünscht."Die Jahre, seit sie als Mariandl vor der Kamera stand, sind wie im Flug vergangen. Aber es wär nicht die Haas, würde sie unser Gespräch nicht mit einem positiven Gedanken beenden: "Ich möchte, so lange ich lebe, Theater spielen. Ich weiß nicht, wie lang es dauert, aber ich hoffe, dass ich doch noch ein paar Jahre bleiben darf."

Interview: Waltraud Haas lässt Karriere Revue passieren

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