"Talk im Hangar": Kopftuch und andere politische Symbole

Die Diskussion
Foto: Screenshot/Servus TV

TV-Tagebuch: Unter anderem Integrationsminister Kurz, Feministin Alice Schwarzer diskutierten das Verhüllungsthema

17.02.2017, 10:45

*Disclaimer: Das TV-Tagebuch ist eine streng subjektive Zusammenfassung des TV-Abends.*

Die religiös motivierte Verhüllung, man muss es niemandem erzählen, ist derzeit jenes Reizthema, das die Sicht auf viele andere Probleme verstellt, es ist jenes Thema, bei dem der Gesetzesgeber auf die eigene Lösungskompetenz pocht und dadurch der Antwort auf die schwierige Frage der Integration näher kommen will.

Und es ist jenes Thema, bei dem einander Meinungsblöcke ohne allzuviel Schnittmenge gegenüber stehen. Was ja TV-Diskussionen auch im Allgemeinen auszeichnet. Daher ist das Thema „Burka, Kopftuch und Koran: Woran scheitert Integration?“ nicht nur, aber auch im "Hangar 7" auf Servus TV ein willkommenes.

Diesfalls saßen einander am Donnerstagabend die vier Säulen der Diskussion gegenüber: Sebastian Kurz, der Politiker. Alice Schwarzer, die sich strikt für das Burkaverbot aussprechende islamkritische Feministin. Doron Rabinovici, in der Rolle des Intellektuellen, und Nadire Mustafi, eine Kopftuch tragende, liberale islamische Religionspädagogin.

Sie alle sagten, was zu sagen ist.

Kurz: "In den vom IS befreiten Gebieten verbrennen die Frauen die Burka. Die Zahl der Burka-Trägerinnen in Österreich nimmt zu, darum halte ich es für richtig, hier eine Regelung zu treffen."

Schwarzer: "Es ist schon lange klar, dass es sich hier um gezielte Provokation handelt. Es geht hier auch um einen symbolischen Kampf: Wie weit weichen wir zurück? Was lassen wir zu?"

Mustafi: "Für mich ist das Kopftuch ein Teil der religiösen Praxis. Für andere kann es ein politisches Symbol sein.  Es gibt sehr viele Motivationen – so viele, wie es Frauen gibt, die Kopftuch tragen."

Rabinovici: "Wir haben hier plakatiert gehabt: ,Daham statt Islam'. Wir reden nicht immer nur über Islamismus. Wir haben eine politischen Zweifrontenkrieg, wenn wir über Integration sprechen. Wir haben gleichzeitig einen Rassismsus und Rechtsextremismus, über den wir reden müssen."

Die Diskussion ging dann um die Dinge, die abzuhaken sind: Das Kreuz auf dem Richtertisch, die muslimische Opferthese, die Schließung der Balkanroute, das Fehlen einer gemeinsamen europäischen Politik.

Und sie war teilweise so aufbrausend, wie diese Diskussionen immer sind. "Ich bestimme!", sagte Moderator Michael Fleischhacker einmal. "Warum haben Sie mir das nicht gleich gesagt?", ätzte daraufhin Schwarzer.

Jedenfalls: Die Argumente waren jeweils in sich schlüssig, ohne einander zu berühren; die Diskussion war damit so symbolisch wie die Verhüllungsdebatte an sich. Exemplarisch folgender Abtausch: Rabinovici: "Ich habe gar nicht über die Burka geredet." Darauf Kurz: "Ich möchte aber gerne drüber reden."

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