Analyse: Warum nicht ORFeins verkaufen?

Im ORF bemüht man sich derzeit nicht gerade umORF eins.
Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Billige US-Ware und Wiederholungen von Serien: Was will uns der ORF mit diesem Sender sagen?

12.09.2017, 06:00

Ein altes Gespenst geht wieder um: Die Zerschlagung des ORF nach einer konservativen Wende in der Bundesregierung. ORFeins und Ö3 sind wegen ihres kommerziellen Kurses seit jeher Objekte der Begierde und der Kritik anderer Medienhäuser, sollte die historische ORF-Schutzmacht SPÖ aus der künftigen Regierung draußen sein, könnte es wieder ernst werden, hört man in den Hinterzimmern der Republik.

Nationalraten - Die politische Quiz-Talk-Show Foto: ORF/Thomas Ramstorfer Innovation unter Spardruck: Nationalraten mit Settele und Gadenstätter Überraschenderweise scheint man sich bei ORFeins seitens der ORF-Führung nicht gerade um Argumente zu bemühen, warum dieser Sender ausgerechnet als öffentlich-rechtlich verstanden und mit Gebührengeld finanziert werden soll. Ein Blick auf die kommenden zwei Wochen zeigt billige Kinoware aus USA und Deutschland, alte Serien, ein Champions-League-Match ... sowie zwei Feigenblätter: Die ersten beiden Folgen der einzigen ORFeins-Eigenentwicklung der jüngeren Vergangenheit, das Wahl-Quiz "Nationalraten" mit Hanno Settele. Auch dieses Format steht unter dem Eindruck des Spardrucks, der auf dem Sender lastet: Die ORFeins-Inforedaktion stemmte die bereits abgedrehte Show quasi im Alleingang – eine eigene Redaktion oder zugekaufte Produktionseinheiten gab es laut ORFeins-Infochefin Lisa Totzauer nicht, wie sie bei der Präsentation des Formates vor Journalisten erklärte.

Der Herbst-Auftakt, wenn er als solcher gemeint sein soll, besteht aus dem Auftakt des Vorjahres: "Soko Donau" spielt heute die Folge "Stiller Abgang", die genau vor einem Jahr bereits das erste Mal lief. Damals sogar in einer Doppelfolge. Heuer läuft zuerst die Wiederholung der "Soko Donau" aus dem Vorjahr, auf die dann eine Uralt-Episode der "Soko Kitzbühel" aus 2011 folgt.

Champions League? Sky

Die schlechte Nachricht: Nach der Saison 2017/2018 gibt es auch keinen europäischen Klubfußball mehr als Zugpferd: Die Champions League teilen sich der Pay-TV-Sender Sky und der Streamingdienst DAZN. Beim zweiten UEFA-Bewerb, der Europa League machte Puls 4 erneut das Rennen – der ORF verzichtete auf ein Angebot.

"Bei diesen Summen können wir nicht mehr mit", erklärte Sportchef Peter Trost in einem Standard-Interview vom Juli zum Bieterkrieg auf dem Rechtemarkt. Das härteste Match steht erst bevor: Bis Jahresende will die Bundesliga entscheiden, wer ab kommendem Herbst ihre Matches überträgt. Das lukrativste Angebot legte mit 30 Millionen pro Saison bisher Sky – unter der Voraussetzung der absoluten Exklusivität. Dem ORF blieben dann nur mehr Kurzzusammenfassungen. Verlöre man die Bundesliga, "wäre das ein Fiasko", hört man aus dem Haus.

Ein Verkauf von ORFeins gilt jedenfalls intern als No Go: Zu sehr hängt der Werbemarkt an der jungen Zielgruppe (14– 49), die nur ORFeins bietet. Trotz positiver Quotenbilanz ist nicht zu leugnen: Die kritische Marke von zehn Prozent Marktanteil bei den 12- bis 49-Jährigen ist oft ünterschritten.

ORF-Chef Wrabetz kündigte bei seiner Bewerbung große Innovationen für den Sender an. Daraus wurde bis dato eine Arbeitsgruppe, die ORFeins neu aufstellen soll. Womöglich zu spät.

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