Lange Herbergsuche für die Geburt

Verschärft wird die Situation durch die stark ansteigende Zahl der Geburten.
Foto: APA/RALF HIRSCHBERGER

Wegen Engpässen in den Geburtenstationen werden derzeit zahlreiche Schwangere abgewiesen.

07.04.2017, 09:10

Gröbere Engpässe gibt es in den Geburtenstationen der Wiener Spitäler. Vor allem Frauen, deren Geburtstermin in den Juli oder August fällt, haben Schwierigkeiten, sich anzumelden.

"Mitunter kommt es vor, dass sie in zwei bis drei Häusern abgelehnt werden, weil dort die Kapazitäten schon erschöpft sind", heißt es etwa in den Gemeindespitälern des KAV. "Manche Frauen entscheiden dann, sich erst gar nicht anzumelden, sondern kommen erst unmittelbar vor der Geburt ins Spital. Mit dem Nachteil, dass das Personal die medizinische Vorgeschichte nicht kennt."

Bei der Wiener Patientenanwaltschaft bestätigt man das Problem: "Entsprechende Beschwerden von Frauen häufen sich bei uns", sagt Patientenanwältin Sigrid Pilz. "Sie werden auf Herbergssuche geschickt, telefonieren die Spitäler durch und bekommen überall Absagen."

Für die Engpässe gibt es mehrere Gründe. "Im Vorjahr schloss die Geburtenstation im Hanusch-Krankenhaus (gehört zur WGKK, Anm.), die pro Jahr rund 1100 Geburten übernahm", sagt Heinrich Schneider, KAV-Personalvertreter. Eigentlich hätte das neue Mutter-Kind-Zentrum im SMZ Süd viele Fälle übernehmen sollen. "Die dortigen Kapazitäten haben den Sollstand aber noch nicht erreicht." Verschärft wird die Situation durch die stark ansteigende Zahl der Geburten . Allein 2016 kamen 20.988 Kinder in Wien zur Welt. Das ist der höchste Wert in der Nachkriegszeit. "Die nötige Aufstockung des Personals ist aber nicht erfolgt", kritisiert Schneider.

Daneben bräuchte es laut Personalvertreter eine zentrale Geburten-Anmeldestelle inklusive Steuerungsmethoden und Öffentlichkeitsarbeit. "Sie muss trägerübergreifend sein", ergänzt Pilz, die in der Angelegenheit schon aktiv geworden ist und die Spitäler angeschrieben hat. "Man wird auch über die Ausweitung der Kapazitäten nachdenken müssen, vorher braucht es aber noch die Daten zum Ist-Stand." Durch Intervention bei den Spitälern konnte Pilz bewirken, dass Frauen, die sich bei ihr beschwert haben, doch noch einen Platz bekommen haben.

Im heutigen Gemeinderat wird ÖVP-Abgeordnete Gudrun Kugler zwei Anträge zu der Causa einbringen. Darin fordert sie ebenfalls eine zentrale Anmeldestelle, mehr Kassen-Hebammen und weiters als Sofortmaßnahme eine Beratungshotline für Schwangere sowie eine engere Zusammenarbeit des KAV mit privaten Spitälern.

Kapazität erhöht

Im KAV will man die Engpässe schon behoben haben: "Aufgrund des vermehrten Bedarfs wurden die Geburtsplätze in den Spitälern erhöht und Voranmeldungen für Juli und August sind möglich", sagt ein Sprecher. "Das neue Mutter-Kind-Zentrum im Kaiser-Franz-Josef Spital wird ab Juli 2017 die volle Kapazität ausschöpfen."

In NÖ sind die Auswirkungen der Engpässe noch nicht zu spüren: "Wenn überhaupt, ist dies erst zeitverzögert merkbar", sagt Peter Hauer, Leiter der Gynäkologie im Spital Klosterneuburg. Man sei aber gewappnet: "100 bis 150 Geburten pro Jahr zusätzlich könnten wir übernehmen."

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