Hofer-Wähler in Kaffeehaus nicht erwünscht: "Bitte geht weiter"

Eva Trimmel will keine Wähler von Norbert Hofer in ihrem Kaffeehaus
Foto: KURIER/Gilbert Novy

Eva Trimmel vom Café "Fett und Zucker" erntet dafür viel Kritik. Sie bleibt bei ihrer Meinung.

25.04.2016, 18:37

Die Brownies im Café Fett und Zucker in der Hollandstraße in der Wiener Leopoldstadt sind wirklich ausgezeichnet. FPÖ-Wählern wird dieser Genuss allerdings ab sofort verwehrt.

Nach dem beachtlichen Wahlsieg des blauen Bundespräsidentschaftskandidaten Norbert Hofer in Wien – er erreichte österreichweit 36,40 Prozent und wienweit 27,67 Prozent der Wählerstimmen – machte die Betreiberin des Cafés, Eva Trimmel (41), ihrem Ärger Luft. "Wenn du bei diesen 35 Prozent dabei bist, geh doch BITTE einfach weiter", schrieb sie auf eine Tafel und stellte diese vor ihr Kaffeehaus. Zusatz: "#rightwingnotwelcome" (Rechte nicht willkommen, Anm.).

Trimmel fotografierte die Tafel vor ihrem Café, stellte das Foto auf die Facebook-Seite von Fett und Zucker und kommentierte: "Say it loud and say it clear" – ein Satz, der bei Demonstrationen der Antifa oft gesungen wird und so endet: "Refugees are welcome here." ("Sagt es laut und deutlich. Flüchtlinge sind hier willkommen.")

 

In den sozialen Medien verbreitete sich das Posting rasant. Philipp K. etwa kommentierte das Posting so: "Das Gleiche wie vor 70 Jahren! Da durften Juden nicht hinein, und jetzt halt Blau-Wähler!"

Trimmel bekam aber auch Zuspruch. Konrad Z. etwa schrieb: "Richtig so. Die verdienen eure tollen Kuchen nicht!" Und Eli K. befand: "Richtig so! Keine Toleranz mehr!"

Dass das Posting polarisieren wird, damit hat Eva Trimmel gerechnet: "Das ist wieder einmal typisch österreichisch. Jeder weiß, dass in manchen Gürtel-Lokalen Schwarze keinen Zutritt haben. Das regt niemanden auf, aber wenn ich so etwas poste, ernte ich einen Shitstorm", sagt Trimmel.

Politik im Kaffeehaus

Eva Maria Trimmel Foto: KURIER/Gilbert Novy Sie bereut es nicht, die Anti-Hofer-Tafel vor ihr Kaffeehaus gestellt zu haben. "Ich habe das Fett und Zucker als queer-feministisches, anti-rassistisches Kaffeehaus positioniert. Ich will keine Leute mit rechten Ansichten herinnen haben", sagt Eva Trimmel.

Dass sie das mit der Politik im Kaffeehaus ernst nimmt, hat sie schon öfters unter Beweis gestellt: Im Fett und Zucker gibt es zum Beispiel kein Fritz Cola mehr, weil das Unternehmen sich nicht von einem sexistischen Posting distanzierte.  Zur Erklärung: Der "Schniblo-Tag", also der  "Schnitzel-Blowjob-Tag", gilt als Pendant zum Valentinstag und wird am 14. März "gefeiert".  Kritiker sehen darin eine Degradierung der Frau zum Sex-Objekt.

"Ja, ich grenze Menschen aus", sagt Eva Trimmel. "Aber nicht wegen eines Merkmals, das sie selbst nicht ändern können, wie zum Beispiel ihre Hautfarbe, sondern wegen einer bewusst getroffenen Entscheidung." Wenn dadurch Kunden ausbleiben, nehme sie das in Kauf. "Das Fett und Zucker ist eine sehr persönliche Sache von mir. Ich will mich nicht den Rechten anbiedern, nur weil dadurch vielleicht ein paar Gäste ausbleiben." Und dazu steht sie: "Ich musste meine Wut über das Wahlergebnis einfach hinausplärren."

Eva Maria Trimmel Foto: KURIER/Gilbert Novy

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