KZ-Vergleich: Laun entschuldigt sich

Andreas Laun
Foto: APA/ROBERT JAEGER

Die Aussage des emeritierten Salzburger Weihbischofs, der Segnungen homosexueller Partnerschaften mit jenen von Konzentrationslagern verglich, ist für Schönborn "inakzeptabel".

13.02.2018, 16:47

Kardinal Christoph Schönborn und der Salzburger Erzbischof Franz Lackner haben am Dienstag Aussagen des emeritierten Salzburger Weihbischofs Andreas Laun über kirchliche Segnungen homosexueller Partnerschaften scharf kritisiert. Laun entschuldigte sich unterdessen bei Homosexuellen, berichtete die Kathpress am Dienstag.

Salzburgs ehemaliger Weihbischof hatte in einem Online-Beitrag des katholischen Nachrichtendienstes erklärt, "man kann eine homosexuelle Verbindung nicht segnen". Den Segen Gottes könne man für Sünder, aber nicht für die Sünde erbitten. "Also könnte man kein Bordell einweihen, kein KZ oder Waffen segnen, die nicht ausschließlich zur Jagd oder zur legitimen Verteidigung bestimmt sind."

Schönborn und Lackner kritisierten diese Aussagen gegenüber Kathpress: Es gehe "jedenfalls nicht an, den Wert gleichgeschlechtlicher Beziehungen in einem Atemzug mit der Mafia oder KZs zu nennen, wie dies leider gerade geschehen ist". Diese Dinge seien nicht vergleichbar. "So zu reden ist inakzeptabel", betonte Schönborn.

Laun: Wollte nicht verletzen

Launs Äußerungen "machen betroffen", hielt auch Lackner fest: "Wortwahl und Vergleich sind gänzlich unangemessen." Es sei unverständlich, wie man systematische Verbrechen gegen die Menschheit in irgendeiner Weise in Zusammenhang mit gleichgeschlechtlichen Lebensformen bringen kann. Lackner habe mit Laun gesprochen und dieser habe ihm versichert, die Menschen nicht verletzen zu wollen.

Der emeritierte Weihbischof entschuldigte sich dann in einer an die LGBT-Community gerichteten Stellungnahme und erklärte, dass es ihm um eine innerkirchliche Kontroverse gegangen sei. Um zu zeigen, dass die Kirche grundsätzlich alle Menschen, "Heilige und Sünder, aber niemals die Sünde selbst oder Einrichtungen, die ihr dienen", segne, habe er "einige drastische Beispiele" genannt. Laun erklärte weiters, er missachte keinen Menschen, der homosexuelle Neigungen habe. Er würde sonst posthum einem mittlerweile verstorbenen Jugendfreund Unrecht tun, meinte Laun.

Forderung nach strafrechtlicher Prüfung

Scharfe Kritik an den "abstrusen" Aussagen übte der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. (Helvetischen Bekenntnisses), Thomas Hennefeld. Er zeigte sich schockiert und erinnerte daran, dass die Evangelische Kirche H.B. in Österreich 1999 die Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften beschlossen hat. Hennefeld ortet in den Aussagen Verhetzung und schloss sich der Forderung der Homosexuellen-Initiative HOSI nach einer strafrechtlichen Prüfung an. Alma Zadic, Menschenrechtssprecherin der Liste Pilz, kritisierte Laun ebenfalls - eine Entschuldigung Launs sei das Mindeste.

(APA/kap)

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