Görtschitztal auf Touristenfang

Bergaufrodeln als Zusatzangebot für das Mini-Skigebiet in Eberstein
Foto: Tonnerhütte

Mutiges Projekt startet: HCB-Region will mit sauberer Umwelt und Kulinarik punkten.

14.11.2017, 18:00

Belastete Böden, belastete Luft, belastete Bio-Produkte – das Görtschitztal verbindet man dies- und jenseits der Kärntner Landesgrenzen spontan mit dem Hexachlorbenzol-Skandal. Umso mutiger ist ein Projekt, das die Region nun startet: künftig sollen Touristen angelockt werden – mit der unberührten Natur, mit Sportangeboten an der frischen Luft und kulinarischen Köstlichkeiten.

"Ja, unsere Strategie ist durchaus ambitioniert", gesteht Andreas Duller, Geschäftsführer der Tourismusregion Mittelkärnten, der die Obhut über das Projekt "Tourismus Görtschitztal" hat. Ziel sei es, in den kommenden zwei Jahren durch Sofortmaßnahmen touristische Akzente zu setzen. Mit dem Thema HCB und der auch durch Asbest belasteten Geschichte des Tals will man offensiv umgehen.

"Geplant ist beispielsweise ein 500 Kilometer langer Weitwanderweg, der Brückl, Eberstein, Guttaring, Hüttenberg und Klein St. Paul streift. Dort wird es jeweils Stationen geben, an denen Kulturschaffende mit ihren Illustrationen die Geschichte des Tals zeichnen", erklärt Duller.

Die Region setzt weiters bewusst auf die "g’sunde Jause" sowie auf Speck, Würstel, Aufstriche und Marmeladen aus der Region – alles Produkte, die noch von vor zwei Jahren bei den Beprobungen HCB-Rückstände aufwiesen.

"Bestbeprobtes Tal"

Inzwischen sei man jedoch das bestbeprobte Tal in ganz Österreich, unterstreicht Duller. "Wir können auf ein intensives Monitoring verweisen, sämtliche Werte sind im grünen Bereich. Es ist gar nicht nötig, das Thema HCB zu umgehen, wir können für unsere Gäste alle Prüfberichte offenlegen", ergänzt der Touristiker, der auch eine Marketing-Rakete zünden will.

Das Projekt startet noch im laufenden Herbst und ist eine Kooperation mit dem Büro für strategische Landesentwicklung. Eine bestimmte Nächtigungszahl als Ziel wurde nicht formuliert. Bislang werden im Görtschitztal ohne aktive Bewerbung und Marketingaktionen jährlich rund 35.000 Gäste-Übernachtungen erzielt. Vor Bekanntwerten des HCB-Austritts im Zementwerk waren es um 5000 mehr.

Finanzielle Unterstützung erfährt der neue Görtschitztal-Tourismus aus dem ehemaligen HCB-Fonds, der sich inzwischen Görtschitztal-Fonds nennt und aus Landesmitteln mit 1,46 Millionen Euro gespeist wurde. 335.000 Euro sollen nun für touristische Zwecke fließen.

900 Meter lange Skipiste

Von diesem Betrag sind bereits 100.000 Euro für ein originelles Rodel-Projekt reserviert: In Eberstein existiert auf 1660 Metern Seehöhe ein Kleinst-Skigebiet mit einer 900 Meter langen Piste und einem Tellerlift. Dieser wird künftig an den Winterabenden Rodler bergauf ziehen.

Das Skigebiet werfe aktuell nur einen jährlichen Umsatz von 20.000 Euro ab und sei nicht schneesicher, erklärt Betreiber Hans-Jörg Zöhrer. "Wir wollen drei Schneekanonen und ein gebrauchtes Pistengerät erwerben", ortet er Investitionsbedarf. Zöhrer will 20 für das Bergaufrodeln umgebaute Sicherheitsschlitten erwerben. Diese können wie ein Einkaufswagerl mittels Chip abgeholt und retourniert werden.

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