Frau starb nach 20 Operationen

Das letzte Bild von Christiana W. und ihrem Sohn Florian
Foto: /Privat

Arzt soll einen Routineeingriff verpfuscht haben, auch die Staatsanwaltschaft ermittelt.

13.09.2017, 14:40

"Von dem Primar haben wir nichts mehr gehört. Nur an dem Tag, an dem meine Mutter gestorben ist, hat er uns die Hand geschüttelt", erinnert sich Florian W., 32. "Und er hat eine Rechnung geschickt." Eine Rechnung über einen Eingriff, der Christiana W., 61, das Leben gekostet haben soll, wie der Wiener dem Chirurgen vorwirft.

Bei der Endoskopie in einem burgenländischen Spital sei der Darm seiner Mutter so schwer verletzt worden, dass der Bauchraum voll mit Blut war.

Das war an einem Freitag im Dezember 2015. "Frau W. hatte Bauchschmerzen. Da braucht man aber keine Endoskopie, da gibt es andere diagnostische Verfahren", betont die Grazer Rechtsanwältin Karin Prutsch, die Florian W. vertritt. W. sei Privatpatientin des Arztes gewesen, der es eigentlich besser hätte wissen müssen, kritisiert Prutsch: Die 61-Jährige hatte ein Magenband, bereits im Jahr 2008 scheiterte der Mediziner beim Versuch einer Endoskopie. "Die war wegen der anatomischen Verhältnisse nicht möglich."

Septischer Schock

Doch 2015 soll der Arzt befunden haben, ohne Endoskopie gehe es nicht. W. vertraute dem ihr lange bekannten Mediziner. Doch der Eingriff an diesem Freitag ging schief und der Operateur ins Wochenende, kritisiert Prutsch. Bis Sonntag sei Christiana W. mit Medikamenten ruhig gestellt worden, weil sie Schmerzen hatte. Eine Information an die Dienstmannschaft an dem Wochenende sei nicht erfolgt, entgegen jeder medizinischen Regel habe sie Essen bekommen, zählt Prutsch auf. Am Sonntag griff der diensthabende Arzt ein, weil W. einen septischen Schock hatte. Er führte eine vierstündige Notoperation durch.

"Dieser Chirurg hat mir dann gesagt, er kann sich überhaupt nicht erklären, warum hier eine Endoskopie gemacht worden ist", erinnert sich Florian W. "So habe ich überhaupt erst erfahren, dass das nicht hätte sein müssen." Ein Nierenversagen und 20 weitere Operationen innerhalb von vier Wochen musste Christiana W. ertragen, doch es gab keine Rettung mehr: Die Wienerin starb am 27. Jänner 2016.

Bei der Staatsanwaltschaft Eisenstadt läuft ein Ermittlungsverfahren, Prutsch klagt zudem zivilrechtlich 30.000 Euro Trauerschmerzengeld ein. "Meine Mutter war gerade erst ein halbes Jahr in Pension", schildert Florian W., "Sie hätte noch so viel machen wollen, sie wollte reisen."

Der betroffene Arzt war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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