Langes Warten aufs Wunschkind

319 Kinder wurden 2013 in Österreich adoptiert: Eine Inlandsadoption kostet 5000, eine Auslandsadoption 15.000 Euro.
Foto: ALENA YAKUSHEVA - FOTOLIA 46728673/Alena Yakusheva/Fotolia

Rund 30 Kinder werden in Wien jährlich zur Adoption freigegeben. Eltern warten jahrelang.

28.04.2014, 06:00

Der Neugeborene war in eine Winnie-Puh-Decke gewickelt, lag in einem Kinderwagenkorb und schlief. Seine Mutter dürfte den Buben erst kurz zuvor in der Nähe des Wienflusses in Wien-Hietzing abgestellt haben. Wolfsspitz-Hündin Gina fand den Säugling am vergangenen Donnerstag in einem Gebüsch. Dem Neugeborenen geht es gut. Ob das Kind seine Mutter je kennenlernen wird, liegt in der Hand der Frau. Sechs Monate hat sie Zeit, sich zu melden. Tut sie das nicht, wird das Kind zur Adoption freigegeben. So wie jährlich 30 Kinder in Wien.

Aus aller Welt

319 Kinder wurden im Vorjahr adoptiert – in dieser Zahl sind allerdings auch Adoptionen von Stiefkindern enthalten. 266 Kinder und Jugendliche stammten aus Österreich. Der Rest verteilt sich auf die ganze Welt – von Bosnien, Nigeria, Indien, bis zu den Philippinen.

Paare, die sich für eine Adoption anmelden, warten zwei bis drei Jahre. Und die Kriterien für die werdenden Eltern sind streng. Ein gewisses Einkommen ist ebenso erforderlich wie ausreichend Platz für das neue Familienmitglied. Dazu ein gut funktionierendes soziales Netzwerk und ein entsprechendes Alter. In Wien liegt das Mindestalter für die Eltern bei 25 Jahren, das Höchstalter – abhängig vom Altersunterschied des Paares – bei 35 bis 45 Jahren.

Verein Eltern für Kinder Österreich, Geschäftsführ… Foto: Michaela Reibenwein „Kinder sollen die besten Eltern bekommen“: Helena Planicka  "Jedes dieser Kinder hat ein Trauma erlebt – egal wie alt es ist. Deshalb sollen sie auch die besten Eltern bekommen", sagt Helena Planicka, Geschäftsführerin des Vereins "Eltern für Kinder Österreich". Der Verein begleitet künftige Adoptiveltern, bildet sie aus und bereitet sie vor. "Bei uns melden sich jährlich 50 bis 60 Paare", erzählt Planicka. "Ein Drittel davon fällt aus." Sei es wegen einer Trennung, einer Schwangerschaft oder weil man sich doch für ein Pflegekind entschied – dieser Weg ist kürzer. Pflegeeltern werden dringend gesucht.

Die Ausbildung für die werdenden Eltern geht nicht nur ins Geld, sondern auch tief ins Persönliche. Denn: Der private Hintergrund muss passen, die Beziehung stabil sein und der Wunsch muss von beiden Elternteilen ausgehen. "Der Drang nach einem Kind ist die Motivation. Aber gleichzeitig muss das Thema verarbeitet worden sein. Wir brauchen Menschen mit einem offenen, gelösten Zugang", erklärt Planicka.

Dann geht’s ans Erlernen der Elternschaft. Angefangen beim Wickeln, Schulungen über Krankheiten, Infos über das Herkunftsland des Kindes und die Vorbereitung darauf, wenn das Kind beginnt, Fragen zu stellen. "Es ist wichtig, darüber zu reden. Damit das Kind niemals die Schuld bei sich sucht."

"Eine Inlandsadoption kostet rund 5000 Euro. Eine Auslandsadoption rund 15.000 Euro – vergleichbar mit einem Kleinwagen", sagt Planicka. Und nur mit wenigen Ländern gibt es entsprechende Zusammenarbeit – Südafrika ist eines davon.

Übrigens: Homosexuelle Eltern sind für den Verein kein Tabu. "Bei Pflegeeltern geht das ja auch – außer in Niederösterreich."


Familienzuwachs

Der erste Kontakt ist fast wie eine Geburt

Birgit und Klaus M. aus Wien adoptierten zwei Kinder aus Südafrika.

Gute neun Monate hat es gedauert. Dann wurden Birgit und Klaus M. aus Wien Eltern. Der Lauf des Lebens – in diesem Fall nicht ganz. Denn Benny ist kein leibliches Kind. Er kam in Afrika zur Welt, wie wie seine Schwester Naomi.

Dass sie Kinder wollten, war für das Paar aus Wien klar. Birgit M. war damals 35 Jahre alt, ihr Mann 31. Adoption wurde zum Thema. Woher das Kind stammt, war dem Paar nicht wichtig. „Aber schon, dass jeder sehen kann, dass es unser adoptiertes Kind ist.“

„Plötzlich kam ein Mail. Und da war ein Bild von Benny dabei“, erinnert sich Birgit M. „Das war wie ein Ultraschall-Bild für eine leibliche Mutter.“ Nur: Die Überraschung war größer. Denn: Benny war dunkelhäutig. „Wir haben uns gefragt, ob wir dem gewachsen sind“, erinnert sich Birgit M. Dann packte das Paar die Koffer und flog nach Südafrika.

Das Kinderzimmer war noch nicht fertig. „Wir wollten das Schicksal nicht herausfordern.“ Das Bild ihres Kindes hatten die Eltern immer bei sich. Bis sie Benny im Kinderheim gegenüberstanden. Benny, damals sieben Monate alt, strahlte in die fremden Gesichter. „Der erste Moment – der war fast mit einer Geburt vergleichbar“, schildert Birgit M. Die Hormone spielten verrückt, die Gefühle überwältigten sie. Nach einem Monat in Südafrika reiste die Familie zu dritt nach Österreich.

Bauch-Mama

Benny war fast drei Jahre alt, schon im Kindergarten. Und auf einmal kamen die Fragen. „Mama, warum sind alle anderen so weiß und ich braun?“ – „Weil du in Afrika geboren worden bist – von einer braunen Bauch-Mama“, antwortete Birgit M. Wenig später bekam Benny eine Schwester. Ebenfalls braun, ebenfalls aus Südafrika. Mit dem Namen Naomi. Heute sind Benny und Naomi „Österreicher durch und durch“. Benny, 12, spielt Eishockey und ist eher der Sanfte. Schwester Naomi, 10, ist temperamentvoll. Ihre ursprüngliche Heimat besuchen sie alle ein, zwei Jahre.

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